Die Orchidee am Tiefen See

Was lange gärt: Nach Jahrzehnten hat das Hans-Otto-Theater in Potsdam ein neues Haus

Theater heute - Logo

Es war ein langes Drama mit Ranküne, Pech und Pleiten, doch angesichts der Entstehungsgeschichte des neuen Hans-Otto-Theaters darf man von einem Glücksfall sprechen, der das Stück mit einem Happy-End beschloss. 

Das erste Potsdamer Theaterpublikum trug noch Perücke. Der Hofstaat Friedrichs II. delektierte sich an dramatischen Stücken ab 1748 im Hoftheater des Stadtschlosses und ab 1768 im Schlosstheater des Neuen Palais. Für die Bürger öffneten sich1795 die Tore eines neuen Königlichen Schauspielhauses am Stadtkanal, das die Potsdamer despektierlich «Kanaloper» nannten.

«Dem Vergnügen der Einwohner», dem das Gebäude laut Giebelinschrift kurioserweise gewidmet war, diente es bis zu seiner Zerstörung im April 1945. Als Institution begann das Potsdamer Theater 1949 wieder aufzuleben und erwarb sich in der DDR in der Konkurrenz zu Berlin einen guten Ruf. Goethes «Faust» wurde als erstes Stück in der ehemaligen Tanzgaststätte «Zum Alten Fritz» in der Zimmerstraße gegeben, wo man sich provisorisch eingerichtet hatte. Seit 1952 trägt das Landestheater den Namen des Berliner Schauspielers Hans Otto, der 1933 seiner kommunistischen Überzeugung wegen umgebracht worden war. Niemand ahnte, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2006
Rubrik: Theaterbauten, Seite 34
von Falk Jaeger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ketzer werden verbrannt

So möchte eigentlich niemand sein: Irgendwo im biographischen Niemandsland zwischen fünfzig und siebzig, tortengeil, demnächst Wasser in den Beinen. Die eine der beiden reifen Freundinnen war wahrscheinlich einmal verheiratet und hat daran als deutlichste Erinnerung behalten, wie sie ihrem Mann die Zehennägel schneidet. Die andere hat sich lebenslang abends ihre...

Die leere Bühne, nur besser

In meinem persönlichen Exemplar des Buches «100 Jahre Deutsches Theater» – eine aufmerksame Pressereferentin hatte es mir zu meinem Amtsantritt als Theaterredakteur bei der «Berliner Zeitung» geschenkt, inzwischen arbeite ich selber am DT –, in dieser seltenen Ausgabe also gibt es einen nicht unoriginellen Farbbildteil. Rekonstruktion und Wiederaufbau des Deutschen...

Naked Punsch

Was von diesem Abend hängenbleiben wird, ist zweifellos das Geschlechtsteil von Lars Eidinger. Kurz nachdem die Party, die die Choreografin Constanza Macras und der Regisseur Thomas Ostermeier unter dem Shakespeare-Motto «Sommernachtstraum» an der Schaubühne ausgerichtet haben, mit großem Begrüßungshallo, Punschausschank und Dancefloorbeat begonnen hat, schlüpft es...