Die Knickerbockerzeit
«Eine Heide. Eine Steppe. Eine Heidesteppe. Oder wo.» Die lokale Verortung ist schwierig, genau wie die zeitliche: «Jetzt. Im Mittelalter. Oder wann.» Erschöpfend werden diese Begriffe in Peter Handkes «Immer noch Sturm» eingekreist, «wo» und «wann», eine Rekonstruktion der eigenen Herkunft mittels Sprache, die eigentlich das Nachspüren eines nationalen Selbstverständnisses ist. «Was ist das für ein Volk?», fragt einer.
Ja, was ist das für ein Volk, das da auf dem Jaunfeld haust? Kärntner Slowenen sind es, eine ewig rumgeschubste Minderheit, Verlierer der Geschichtsschreibung.
Handkes Drama wurde nach Dimiter Gotscheffs Uraufführung 2011 bei den Salzburger Festspielen vielfach als sprachmächtige Heimatsuche gelobt, die Übernahme der Inszenierung ist eine feste Bank im Repertoire des Hamburger Thalia. Viel nachgespielt aber wurde das Stück bislang nicht: Graz, Mülheim, Nürnberg, Osnabrück – und jetzt Lübeck, wo sich Andreas Nathusius des Stoffs annimmt. Der treibt Handke erst einmal seinen gleichförmigen, raunenden Ton aus, der zwar zum introspektiven Charakter von «Immer noch Sturm» passt, das Stück aber mehr der Prosa annähert als dem Theater. Im Zentrum steht bei Handke die ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Lübeck, Seite 66
von Falk Schreiber
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Hat die Dame wirklich (schon) das Zeug zur Theaterfigur? Sicher, das, was man ihr nachsagt, ist wie aus dem Shakespeareschen Charakter-Fundus: «Die Raffinierte», «Königin der Macht», «Die heißkalte Frau», «Die Unterschätzte», gar eine «Lady Eisenherz» soll sie ja sein. Und doch sagen irgendwie alle «Mutti» zu ihr. Wie geht das zusammen? Und vor allem: Wie prickelnd...
