Die Jagd nach der gläsernen Kuh
Die Agora ist manchmal ein leeres Feld. Voll Enthusiasmus schreiten vor dieser leeren Fläche, die vermutlich eher als Parkplatz denn als landwirtschaftliche Nutzwirtschaft fungiert, Annett Sawallisch, Julius Forster und Denis Petkovic, um das versammelte Publikum von der Überlegenheit der sozialistischen Produktionsmethoden mit übergroßen Rüben und Kartoffeln zu überzeugen. Sie träumen von einer gläsernen Kuh, während im Hintergrund Teresa Schergaut und Dirk Lange eine riesige Kiste durch die Gegend bugsieren.
Das braucht viel Grimassenkunst und sozialistischen Enthusiasmus, wie man ihn heute nur noch von amerikanischen Überzeugungscoaches kennt. Es ist eben nicht alles besser heute, nur anders.
Statt Austausch, auf den das Agora-Motiv verweist, also zunächst Überzeugungspropaganda aus dem Jahr 1981, als hier tatsächlich die 28. Landwirtschaftsausstellung der DDR stattgefunden hat. Dafür wurde der Agra-Messepark 1952 gebaut. Heute lauscht das Schauspiel Leipzig szenisch dem Echo dieser Vergangenheit nach. Es hat eine der Hallen in Beschlag genommen, wo ansonsten Trödelmärkte und das Wave-Gotik-Treffen stattfinden, denn im Schauspielhaus muss die Elektrik überarbeitet werden. Im ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Torben Ibs
Am Ende fällt dann alles buchstäblich aus dem Rahmen oder vielmehr vor den Rahmen. Einen solchen hat Nadja Sofie Eiler nämlich auf die große Bühne des neuen theaters in Halle gebaut und in ihn hinein eine große Küche mit freistehender Arbeitsfläche. Im Hintergrund ein paar Fenster, rechts steht der Kühlschrank, in der hinteren linken Ecke der Herd und vorne ein...
Das Lied ist ein Ohrwurm. Auch noch Stunden nach dem Theater saust es im Kopf herum, dieses «Heidi-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela bumm» aus dem 1948er Karnevalslied «Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien», das seinerzeit zumindest im Rheinland fast die Funktion einer Nationalhymne übernommen hatte. Zum Thema hatte der Song die Tatsache der drei...
Bevor sich der Vorhang hebt, ist das ganze Theater angefüllt mit Stimmen aus Lautsprechern in allen Winkeln und Ecken des Raumes: Sprachund Wortfetzen, falsche Aussprache, Korrekturen, Nervositäten. Gleich soll es vorne auf der Bühne um jene «Eliza» gehen, die wir aus George Bernard Shaws «Pygmalion» kennen, wenn nicht eher noch aus dem Musical «My fair Lady». Aus...
