Die Inszenierung des Realen
Die «Rückkehr der Bürgerlichkeit» war in den letzten Monaten der große Dauerbrenner unter den Feuilletondebatten.
Bei allen Streitereien darüber, wie das angebliche Revival bürgerlicher Lebensart (Stichwort Messerbänkchen) denn nun einzuordnen sei, bei allem Gezeter darum, ob die Forderung nach mehr bürgerlichen Tugenden (Stichwort Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft) und Werten (Stichwort Familie und Gemeinschaft) bloß Propaganda der «Neokons» sei oder längst auch von links-liberalen Milieus getragen werde – bei alledem hätte sich vielleicht ein stellvertretender Blick auf das Stadttheater gelohnt, die Ex-Heimstatt des deutschen Bürgertums. Denn wer das Theater und sein Publikum beobachtet, erkennt: Das Bürgertum kehrt nicht zurück (und wenn nicht hier, wo dann?). Versprengte Intellektuelle, bildungshungrige Kleinbürger und Aufsteiger: ja. Aber nicht jenes tonangebende, traditionsbewusste, spendierfreudige Besitzbürgertum, das die Apologeten der Bürgerlichkeit so schmerzlich vermissen.
Gibt es denn überhaupt noch so etwas wie bürgerliches Theater? Diese Frage kam einem während der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft, die Ende Januar im Haus der ...
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