Die Identität der Vielfalt

Nicht alle Theaterfestivals denken in Jahreszyklen, das hilft gegen Automatismen und bringt Abwechslung in die einschlägige Landkarte. «Theater der Welt» hat in diesem Sommer Pause, dafür ist die Wiesbadener Biennale wieder dran, die besten Stücke aus Europa zu versammeln. Beim – alljährlichen – Kunstenfestival in Brüssel geht eine Ära zu Ende: Direktorin Frie Leysen hört auf, wenn’s am schönsten ist, also jetzt. Und bei den Wiener Festwochen, deren Theaterprogramm Marie Zimmermann nach ihrer Stuttgarter Theater-der-Welt-Pause wieder leitet, wird schon über Nachfol­ger(innen) spekuliert, wenn die nimmermüde Marie Z. demnächst die RuhrTriennale übernimmt. Die Reisekader bleiben in Bewegung!

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In Weißrussland gibt es seit kurzem ein Gesetz, dass jede «Diskreditierung des Staates» im In- und Ausland verbietet. Es drohen Gefängnisstra­fen bis zu drei Jahren.

Aber was ist wahr und was falsch in den Augen eines Regimes, das sich nach außen hin abschottet, offensichtlich Wahlen manipuliert und mittels erzwungener Sonderabgaben soeben den protzig-futuristischen Neubau der Nationalbibliothek im Star-Wars-Look aus dem Boden gestampft hat – zu Ehren des Autokraten Lukaschenko, versteht sich?
Der Dramatiker und Aktivist Nikolaj Chalesin und seine Frau Natalja Koljada, ebenfalls Dramatikerin und Journalistin, wollten sich ihre Sicht auf die Wirklichkeit nicht länger vom Staat diktieren lassen und gründeten im März 2005 das Freie Theater Minsk mit dem Nahziel, der Demokratie im Land endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Danach will man sich wieder ganz der Verbreitung neuer europäischer Dramatik widmen.
Auf dem Programm stehen vor allem Stücke einer jungen Generation weißrussischer Intelligenz, die nach wie vor ungeduldig und trotz aller Restrik­tionen hoffnungsvoll auf ein Ende der Diktatur hinarbeitet. Man probt und spielt an konspirativen Orten, in leerstehenden Wohnungen, Clubs ...

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Theater heute August/September 2006
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Silvia Stammen

Vergriffen
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