Die Eigendenkerin

Bettina Hoppe lässt am Schauspiel Frankfurt ihre Figuren intensiv über sich und die Welt reflektieren – ob als solistischer Chor in «Medea», als Elisabeth Fritzl oder als «Die Frau, die gegen Türen rannte»

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Eher selten findet man heute diese Art dazustehen. Es gibt sie auch nur bei Frauen. Die Füße sind weit voneinander entfernt, die Beine steigen parallel vom Boden auf – obwohl sie doch schräg zusammenlaufen müssten, um in der Hüfte gemeinsam anzukommen. Es ist ein anatomisches Wunder. Walt Disney hat Minnie Mouse eine Weile so gezeichnet.
Wenn Frauen so dastehen, sieht es aus, als stünden sie mit beiden Beinen fest im Leben. Auf der Bühne gehörte dieses Dastehen einmal zum proletarischen Frauentyp. Therese Giehse stand manchmal so da.

Frauen, die das Leben geformt hatte: Sie trugen dazu einen Mutter-Courage-Kittel.

Bettina Hoppe trägt auch so einen Kittel. Ihrer ist grau, vorne runtergeknöpft, ein Designerkittel mit Arbeiteranmutung. Mit diesem Hauch von Proletariat verkörpert Bettina Hoppe den Chor der korinthischen Frauen zwischen den Barbaren und der kultivierten Welt. Dieser Chor ist keine Frau, die sich mit Charme durchs Leben schlängelt. Mit wenigen, einfachen Gesten und Bewegungen markiert er riesige Gedankenräume zwischen Medea und Jason.

Es ist einer der schönen Seitenstränge in Michael Thalheimers Inszenierung von «Medea» am Schauspiel Frankfurt, neben das ...

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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 17
von Peter Michalzik

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