Der Weg des Westens
Wer hätte gedacht, dass das zivilisatorische Erfolgsprojekt, in dem für manche schon vor 30 Jahren das Ende der Geschichte erreicht war, so schnell in Gefahr sein würde, sich selbst zu zerlegen? Der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug westlichen Lebensstils, individueller Freiheit und liberaler Demokratie hat offenbar mehr Sollbruchstellen als gedacht, die unter Druck auch erstaunlich schnell nachgeben.
Dabei sollte man diesen guten alten Westen, nur weil er gerade erkennbar bröckelt, auf keinen Fall verklären.
Konstantin Küspert nimmt sich historische oder zeitgenössische Webfehler in unserer politischen Ordnung mit vergifteter Freundlichkeit zur Brust: In jeder seiner 22 Kurz- und Kürzest-Szenen legt er westlichem Spitzenpersonal auf seinem langen Marsch durch Geschichte und Kultur nett den Arm über die Schulter, um dann langsam zuzudrücken. Küsperts «Der Westen» gräbt tief in der europäischen Geschichte, streift ein paar tatsächliche oder Beinahe-Katastrophen der angeblich hochzivilisierten Welt, dreht und wendet die Errungenschaften unserer Lebensformen, betrachtet Gründungs- und Endzeitmythen, besucht eine reichlich abgewrackte Freiheitsstatue, lässt Helden der Popkultur – ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Mülheimer Stücke, Seite 48
von Franz Wille
Arbeit am Mythos: Thorleifur Örn Arnarssons «Edda», Staatsschauspiel Hannover
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