Der Vater und seine Zeit
Blizzard-Maschinen blasen Stefan Hunstein auf die Bühne der Münchner Kammerspiele. Kaum lässt sich die Türe halten, mühselig schleppt er seinen schneeverkrusteten Rucksack auf die hölzernen Planken, die Johan Simons weit in den Zuschauerraum ragen lässt. Ein scheinbar schlafender Pianist am plastikverhüllten Kneipenklavier erwartet ihn. Sonst nichts. Der melancholische Wanderer ist auf Winterreise, und wie es sich für diesen Trip gehört, verzagt er an Lebenslauf und Zeitlichkeit.
Doch als der einzig ungebrochen vitale Figurenspieler im Ensemble will er eine richtige Rolle aus der bloßen Funktion herausschlagen, die ihm in einer Jelinek-Inszenierung maximal zugedacht sein kann: nämlich nur eine mögliche Stimme zu verkörpern, einer Tagesform ein Gesicht zu geben, eine Facette des bloghaften, monologisierenden Schreibens von Elfriede Jelinek zu beleuchten.
Ausreisen, rausfliegen, ausschließen
Mit überraschenden Besetzungsentscheidungen können zuweilen öde Identifikationsreflexe und Verkörperungslangeweile verhindert werden. Vielleicht hat Johan Simons deshalb dem wohl männlichsten Mann auf der Bühne den Text gegeben, der andernfalls am unmittelbarsten der Schriftstellerin ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Diedrich Diederichsen
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