Der Hauptgang fehlt noch
Gedankenverloren schaut der Mann in die Ferne. In seiner Nase steckt der vordere Teil einer Möhre, der Rest ragt aus dem Ohr. Ein anderer trägt eine Spaghettifrisur, eine Brillenträgerin hat Tomaten auf den Augen, den Hals einer jungen Dame kleidet ein Kollier aus rohem Fleisch. Die Bilder der nur mit Nahrungsmitteln bekleideten Schauspieler (auf anderen halten sie uns leere Teller entgegen) schmücken großformatig das Grillo-Theater in Essen. Kommentiert werden sie mit den Worten: «Mit Essen spielt man nicht» und dem Nachtrag «Für Essen schon».
Die Spielzeit des neuen Intendanten Christian Tombeil beginnt mit einem Kalauer, der provozierend in Szene gesetzt wird. Weniger provokativ, vielmehr ziemlich zahm klingt, was Tombeil im Spielzeitheft ankündigt: «nicht jede Idee schon im Keim durch die Angst vor möglichen finanziellen Auswirkungen zu ersticken». Die bösen Zungen, die vermuten, er sei deshalb zum Intendanten ernannt worden, weil er sich mit den drastischen finanziellen Kürzungen, die die Stadt dem Schauspiel auferlegt hat, allzu leicht arrangiert habe, wird er damit kaum besänftigen.
Essener Sparzwang
Doch Tombeil tritt in vielerlei Hinsicht kein leichtes Erbe an: Sein ...
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Das Haus, von dem ich erzählen will (und in dem es in mehr als einer Hinsicht nicht mit rechten Dingen zugeht), habe ich im sehr frühen Morgengrauen des 1. August 2007 zum ersten Mal betreten. Tags zuvor war ich in der pannonischen Sommerhitze von Bratislava mit dem Taxi zum letzten Mal durch die Barockstadt zum Flughafen gefahren (meine Möbel, Bücher, Kleider,...
Da sitzt man nun im eigentlich wegen fehlender Brandschutz-Einrichtungen geschlossenen New Yorker Goethe-Instituts-Gebäude an der Fifth Avenue auf einem dunkelgrünen Friseurstuhl, der wegen seiner ausgeleierten Federn dauernd nach hinten wegkippt, und während man verzweifelt um sein Sitzgleichgewicht kämpft, erklärt einem ein aufgekratzt freundlicher Mittfünfziger...
Hmm … was wünsch ich mir denn vom Christkindl? Erst einmal hat es mich in diesem Jahr schon reich
beschenkt. Meiner und der Arbeit meiner fast 2000 Akteure bei den Oberammergauer Passionsspielen wurde in diesem Jahr so viel Aufmerksamkeit beschert, dass ich es fast nicht wage, mir noch etwas zu wünschen. Und trotzdem: Ich wünsche mir Mut.
Ich wünsche mir, dass wir...
