Der große und der kleine Tod
«Die Nikon D 300 S», wendet sich Nathan (Robin Sondermann) ans Publikum, «liegt mit Akku und Speicherkarte bei 870 Gramm.» In Sondermanns Stimme liegt ein leichtes Zittern, liebevoll, begehrend, hastig: «Der Handgriff der Nikon D 300 S ist extrem ergonomisch ausgeformt.
» Aus zwei Gründen ist es eine kluge Entscheidung, diese halbmasturbatorische Liebeserklärung an einen Fotoapparat an den Beginn der Dramatisierung von «Verzehrt», dem voriges Jahr erschienenen Debütroman des kanadischen Kinoregisseurs David Cronenberg, zu stellen: Einerseits versteht man sofort, dass das Verlangen Nathans objektfixiert ist. Und andererseits ist damit die Bedeutung von Bildern gesetzt: Nathan und seine Freundin Naomi (Annemaaike Bakker) sind Fotojournalisten, die erzählen jede Geschichte primär übers Bild. Und begehren Kameras.
Allerdings verweigert Uraufführungsregisseur Felix Rothenhäusler am Theater Bremen ausgerechnet Bilder ziemlich lange. Naomi recherchiert an einem Kriminalfall (Philosoph Aristide soll seine Frau getötet und teilweise verspeist haben), während Nathan eine schwer unseriös wirkende Krebsoperation fotografiert und sich im Anschluss bei der moribunden Patientin eine ausgerottet ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
Wie schön sich der Muezzin anhört, der aus dem weißen Grab aus Laken singt. Eine ferne Erinnerung für Ramie (Patrick Berg), der in der syrischen Stadt Homs einst für Demokratie kämpfte und es nun über das Mittelmeer geschafft hat, gelben deutschen Käse isst und von Kardamomkaffee und seinen toten Freunden träumt.
«The Trip» von Anis Hamdoun ist eine ergreifende...
Mit der Frage, ob das Theater die Gesellschaft verändern kann, hält sich das Bonner Schauspiel nicht lange auf. In Bonn wird die Welt gerettet. Und das schon zum zweiten Mal. «Save the World II Climate Change» heißt das Festival in der Halle Beuel, der alten Jutespinnerei. «Art and Science» nennt sich der Versuch, der öffentlichkeitsfernen Wissenschaft etwas...
Da stehen sie auf der Bühne. 23 Personen, davon sechs Schauspieler, der Rest Laien – und singen. Es ist eine Art chorischer Sprechgesang, den Marta Górnicka mit ihrem Ensemble eingeübt hat. Wie in ihrem festivalerprobten polnischen Frauenchor «Magnificat» oder «Requiemmaszyna» (s. TH 2014/10, S. 21) sind die Töne und Nuancen verwoben zu einem Klangteppich. Und wie...
