Der Depp aus der Abteilungsmitte
Stromberg? Ein Arschloch natürlich. Aber trotzdem ein Chef, dem man am Ende nie etwas übel nehmen kann. Einer, der sich dauernd daneben benimmt, der taktiert, wo er sich menschlich öffnen sollte, und menschliche Offenheit spielt, wo Taktik angesagt wäre. Ein Tollpatsch. Es mangelt an emotionaler Intelligenz. Der Ehrgeiz braust, doch letztlich ist das Herz zu eng und klein, der Kopf zu leer.
Stromberg, das steht für Mittel-maß im mittleren Management und die Mühen der Ebenen.
Der Mann ist Abteilungsleiter Sachbearbeitung M-Z bei der Capitol-Versicherungs-AG und Held eines neuen Fernsehgenres: der fiktiven Reality-Soap als Comedy-Format. «Stromberg», Pro7, montags, 21 Uhr 50. Beim NDR gibt es übrigens einen Tatort-Kommissar namens Castorff, was trotz Schreibfehler den ungeheuren Einfluss beweist, den Theater heute auf das Fernsehen hat.
Stromberg (Glatze, Klobrillenbart, unangemessen diabolisches Grinsen) muss zum Beispiel die Abteilungsmutti Frau Burstedt wegen Toner-Diebstahls entlassen («Na ja, den hab ich mitgenommen, weil meine Tochter den brauchte»), verliert dadurch aber einen wichtigen Kunden, der nur ihr vertraut, muss also seiner Chefin ein Märchen vom Brustkrebs ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zu anderen (Theater-) Zeiten wäre er, blond und blass, hellstimmig und von kräftiger Statur, jünglingshaft noch als Fünfziger, der ideale «jugendliche Held» gewesen, Moraltrompeter und Mädchenschwarm. Mustert man die knapp fünf Jahrzehnte seines Schauspielerlebens durch – der 1932 in Hamburg geborene Beamtensohn sprang 1956 aus dem Literaturstudium und vom...
Langeweile, das klingt so harmlos. Das klingt nach schlaffem Händedruck, nach Erwachsenen, die episch Filme nacherzählen, die gerade im Kino laufen, oder Nieselregen im Theater.
Dabei ist Langeweile heimtückisch. Als gut getarnte Mischung aus Sehnsucht und Aggression schlägt Langeweile Ausländer tot, verschleudert endlos Ressourcen und wählt die falschen...
Der Künstler, den wir heute ehren, hat sich hier in Hamburg auf eine so eigene wie rätselhafte Weise vorgestellt – ganz ungerührt und in sich ruhend schien sie, diese Vorstellung, und hat doch einen großen Teil des Premierenpublikums so empört, dass man es mit der Angst bekam. Denn eine so lautstarke Wildheit gönnen sich die Anrainer der Elbvororte ja nicht alle...
