Der Depp aus der Abteilungsmitte
Stromberg? Ein Arschloch natürlich. Aber trotzdem ein Chef, dem man am Ende nie etwas übel nehmen kann. Einer, der sich dauernd daneben benimmt, der taktiert, wo er sich menschlich öffnen sollte, und menschliche Offenheit spielt, wo Taktik angesagt wäre. Ein Tollpatsch. Es mangelt an emotionaler Intelligenz. Der Ehrgeiz braust, doch letztlich ist das Herz zu eng und klein, der Kopf zu leer.
Stromberg, das steht für Mittel-maß im mittleren Management und die Mühen der Ebenen.
Der Mann ist Abteilungsleiter Sachbearbeitung M-Z bei der Capitol-Versicherungs-AG und Held eines neuen Fernsehgenres: der fiktiven Reality-Soap als Comedy-Format. «Stromberg», Pro7, montags, 21 Uhr 50. Beim NDR gibt es übrigens einen Tatort-Kommissar namens Castorff, was trotz Schreibfehler den ungeheuren Einfluss beweist, den Theater heute auf das Fernsehen hat.
Stromberg (Glatze, Klobrillenbart, unangemessen diabolisches Grinsen) muss zum Beispiel die Abteilungsmutti Frau Burstedt wegen Toner-Diebstahls entlassen («Na ja, den hab ich mitgenommen, weil meine Tochter den brauchte»), verliert dadurch aber einen wichtigen Kunden, der nur ihr vertraut, muss also seiner Chefin ein Märchen vom Brustkrebs ...
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Rasant geht es los mit Goethes freiheitsdurstigem Ritter von Berlichingen. 22 war er, als er den Ur-«Götz» schrieb, den mit dem Zitat. Klipp-klapp folgen kurze Szenen aufeinander, akzentuiert durch Musik, aus dem Off werden die Orte angesagt, keine Umbauten. Die Einheitsbühne ist wandelbar; ein abstrahierter Säulengang, zwei verschieden tief gesetzte Plattformen...
Die unwichtigsten Informationen werfen manchmal die größten Fragen auf: Für «Hautnah», den Film zum Stück, ist die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle)-Freigabe ab 6 Jahren beantragt. Auf welche Weise kann Patrick Marbers Quartett der Suchenden (nach Liebe, nach Orientierung und Nähe), können diese verbal freizügigen, mit Cybersex, Stripclubs und Verlassensängsten...
Natürlich ist der «Neger» weiß. Erst ganz am Schluss kramt er doch noch das Creme-Tiegelchen hervor und schmiert sich zentimeterdick die schwarze Farbe auf den Leib und ins Gesicht. Mit küssender Gewalt hinterlässt Othello seine dunklen Spuren auf der weißen Unschuldshaut Desdemonas – wie bereits anno 1976 Ulrich Wildgruber als Zadeks Wilder. Der Mohr in Michael...
