Der Betrieb übernimmt
Was ist das deutsche Stadttheater? Darauf gibt es bekanntlich viele Antworten, aber die funktionalistische geht so: Ein hocheffizienter, hocharbeitsteiliger Betrieb mit oft mehreren hundert Mitarbeitern, der es einem vergleichsweise kleinen künstlerischen Kernteam ermöglicht, jedes Jahr bis zu zwei Dutzend literarische Vorlagen in repertoirefähige Theaterabende zu verwandeln.
Ob einem das theaterästhetisch nun gefällt oder nicht – daraufhin sind die Betriebe jedenfalls optimiert, angefangen vom Stellenplan über die Bühnenarchitektur, Technik und Verwaltung bis zur Ausbildungsstruktur für die dafür erforderlichen Sonderkompetenzen als Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner, seit einiger Zeit auch für Autoren. Fluch und Segen dieser theaterbetrieblichen Spezialkompetenz ist nämlich unter anderem eine ständige Suche nach neuen Vorlagen, denn der berüchtigte Kanon aus Klassikern und modernen Standardtänzen erschöpft sich naturgemäß spätestens nach dem siebten «Hamlet» und achten Tschechow.
Nichts fällt so einem Stadttheater leichter, wenn es sich neben dem gut geölten Normalbetrieb noch ein kleines Extra leisten will, als ein Autorenwettbewerb. Man stifte einen kleinen Preis, sagen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Anfangsstation: Bahnhof, Ort der Unruhe, des Aufbruchs und Durchgangs. Im Bochumer Schauspielhaus bleibt auf weitgehend leerer Bühnenfläche, über die Raimund Bauer nichts als eine Lichtbrücken-Installation hängt, die Drehscheibe der konkrete und metaphorische Ort des Karl Siebrecht. Der 16-Jährige kommt, mutterseelenallein, aus der Uckermark ins Berlin der späten...
Die Kamera bewegt sich durch die Straßen der Stadt. Ortskundige erkennen irgendwann, wohin die Reise geht: Die Kamerafahrt führt hinaus ins Krankenhaus Lainz, am südwestlichen Rand der Stadt. Auf der dortigen Komastation liegt die 25-jährige Balletttänzerin Karin Anna Giselbrecht seit drei Jahren im Wachkoma.
Auf dem Weg zu ihr erzählen Inserts ihre Geschichte. Wir...
Bekenntnisse in XXL sind eine Kölner Spezialität: Zum 10. Jahrestag des Nagelbomben-Attentats durch den «Nationalsozialistischen Untergrund» steigt hier ein Festival mit 150 Konzerten, Lesungen, Diskussionen und Vorträgen, Bundespräsident und Sonderbriefmarke inklusive: «Birlikte – Zusammenstehen» lautet das türkisch-deutsche Motto.
«Jetzt wird gefeiert ... aber...
