Debatte: Script statt Drama
Ein Vorurteil besagt, dass spätestens mit der postdramatischen Wende der Text für das Theater an Bedeutung verloren habe. Allerdings arbeiten Theatermacher wie Rimini Protokoll oder Signa sehr wohl mit Texten, wenngleich das in der Regel keine Dramentexte mehr sind. Stattdessen entstehen diese Texte während des Probenprozesses, manchmal sogar während der Aufführung: Sie werden kollektiv entwickelt, teils gemeinsam mit dem Publikum.
Ein Problem stellt diese Entwicklung für die Wissenschaft dar.
An der Universität Hamburg etwa ist der Bereich der Theaterforschung an die literaturwissenschaftliche Professur von Martin Jörg Schäfer angegliedert, und die Literaturwissenschaft interessiert sich nur selten für solch kollaborativ entstandene Texte. Um dieses Problem zu umgehen, hat Schäfer die Konferenz «TogetherText. Prozessual erzeugte Texte im Gegenwartstheater» organisiert, in Kooperation mit dem universitären Zentrum für Performance Studies, der Theaterakademie Hamburg und dem Produktionshaus Kampnagel. Dessen Intendantin Amelie Deuflhard eröffnete die dreitägige Konferenz dann auch gleich mit einem Seitenhieb auf ein traditionelle Dramenverständnis: «Simon Strauß sucht in der ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Falk Schreiber
Die Auswahl zum Berliner Theatertreffen steht fest
Es sind wieder zu wenig Regisseurinnen in der Auswahl. Viel zu wenig Theater aus kleineren Städten wie Darmstadt, Bern oder Oberhausen. Viel zu viel Postdramatik, Romane, Filme, Überschreibungen. Kaum migrantische Positionen, genauer gesagt: kein einziger Schwarzer, oder, wie die von der Social Media Abteilung der...
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Lasst mich in Ruhe» – das waren bekanntlich Brechts letzte Worte, bevor er am 14. August 1956 58-jährig für immer die Augen schloss. Es ist ausgerechnet Barbara Brecht-Schall, die diese Worte in die Kamera spricht, Brechts Tochter und Gralshüterin, die im Verbieten von allem, was mit dem heiligen Vater zu tun hat, normalerweise schnell zur Stelle war. Ob sie...
