De te fabula narratur –

Bei den Protesten gegen den Ausverkauf von Istanbuls öffentlichen Plätzen ist eine neue Ästhetik des Widerstands entstanden

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Ein Gespenst geht um in Istanbul – das Gespenst des ur­banen Widerstands und des Rechts auf Stadt, so wie der Sozialwissenschaftler David Harvey diese beiden Begriffe in seinem Buch «Rebellische Städte» bereits definierte. Seit 14 Tagen gehen mehr als eine Million BürgerInnen nicht nur in Istanbul sondern auch in vielen anderen Städten der Türkei auf die Straße und protestieren gegen die Regierung.

Der Istanbuler Gezi Park, eine verhältnismäßig kleine Grünanlage zwischen den Fünfsternehotels in der Mitte von Taksim, wurde nach der brutalen Räumung von den DemonstrantInnen, die gegen die Fällung der dortigen Bäumen für den erneuerten Bau einer alten ottomanischen Kaserne, die «Topçu Kıslası», die eigentlich als Einkaufszentrum dienen sollte, protestierten, zum Schauplatz eines urbanen Widerstands gegen die Staatsmacht.

Am 30. und am 31. Mai griff die Polizei um fünf Uhr morgens die friedlichen DemonstrantInnen mit Wasserwerfer und Tränengas an und setzte ihre Zelte in Brand. Am 31. Mai nachmittags fand in Istanbul eine große Demonstration statt, gegen die die Polizei ebenfalls mit Tränengas und Wasserwerfern vorging – diesmal aber heftiger. In mehreren anderen Städten der Türkei gab ...

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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Dilek Altuntas

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