Das Visier immer oben
Du, Bibiana, bist ein streitbarer Geist, von einer enormen Wachheit und Aufmerksamkeit und einer großen Bereitschaft zum Mitdenken, so dass man sich als Regisseur bis zur Premiere und darüber hinaus in einem Gespräch mit Dir befindet, in dem Lob wie eine unstatthafte Unterbrechung der gemeinsamen Arbeit wirken würde.
Lob hat ja immer auch etwas Gefährliches, weil es abhängig macht, und zwar nicht nur wie eine Sucht, weil man als Gelobter dazu neigt, immer mehr davon haben zu wollen, sondern auch deshalb, weil es den Gelobten sprachlos macht, während er auf Kritik immer mit Arbeit reagieren kann.
Ich halte übrigens die Gefahr in Deinem Fall für nicht besonders groß, weil ich mir nur sehr wenige Dinge vorstellen kann, die Deine Unabhängigkeit ernsthaft gefährden könnten, und ich nicht glaube, dass Lob dazugehört. Das macht mir heute auch Mut, ganz ungeniert draufloszuloben. Deine Kompromisslosigkeit, das Unverbogene, Lautere, manchmal auch etwas Laute, jedenfalls nie Unbestimmte Deines Wesens, eben Deine Unabhängigkeit schätze ich ungemein. Das macht das Arbeiten mit Dir zu einem abenteuerlichen Vergnügen, zu einer steten Auseinandersetzung um Inhalte, Emotionen, Wirkungen und den ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die Spieler des Jahres, Seite 99
von Martin Kusej
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