Cool
Früher war alles ganz anders». Früher gab es Fußball, Küsse von Mädchen, Apfelbäume. Mittlerweile «ist der Wurm drin», ein Cyberworm vermutlich. In «Hikikomori» frisst er sich in Lichtgeschwindigkeit durch die verwanzten Matratzen, die klapperigen Computertastaturen, durch das fiebrige Hirn des Eingekapselten H., mitten ins Herz dieser ultimativen Slacker-Show aus dem Hamburger Thalia Theater (Text: Holger Schober; Regie: Dominik Günther). Wir sehen einen mentalen Kollaps im Multimedia-Zeitalter. «Ich lebe hier mit mir selbst, und das ist schon einer zu viel.
»
Ex-Sonderpädagogikstudent H. alias Ole Lagerpusch versumpft in der taglichtarmen Höhle seines Jugendzimmers; Selbstekel bekämpft er mit Raumspray. Für letzte anonyme Kontakte muss der Online-Chat herhalten. Doch eine Romanze mit User «Rosebud» kitzelt allenfalls noch in der Fantasie (und in der Hose). Eingelöst wird nichts mehr. Wie eine Kröte wirft sich Lagerpusch immer wieder gegen die Zimmerwand, auf der Mangas und Shooter-Videos flackern. «Ich bin nicht euer verfickter Fernseher», ätzt er gegen das Publikum, wissend, dass diese radikale Zurschaustellung einer Ich-Krise, ästhetisch gesehen, ein verfluchter Triumph ist.
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