Cool

Das Deutsche Kinder- und Jugendtheater trifft sich zum 10. Mal zu «Augenblick mal!» in Berlin

Theater heute - Logo

Früher war alles ganz anders». Früher gab es Fußball, Küsse von Mädchen, Apfel­bäume. Mittlerweile «ist der Wurm drin», ein Cyberworm vermutlich. In «Hikikomori» frisst er sich in Lichtgeschwindigkeit durch die verwanzten Matratzen, die klapperigen Computertastaturen, durch das fiebrige Hirn des Ein­gekapselten H., mitten ins Herz dieser ultimativen Slacker-Show aus dem Hamburger Thalia Theater (Text: Holger Schober; Regie: Dominik Günther). Wir sehen einen mentalen Kollaps im Multimedia-Zeitalter. «Ich lebe hier mit mir selbst, und das ist schon einer zu viel.

»

Ex-Sonderpädagogikstudent H. alias Ole Lagerpusch versumpft in der taglichtarmen Höhle seines Jugendzimmers; Selbstekel bekämpft er mit Raumspray. Für letzte anonyme Kontakte muss der Online-Chat herhalten. Doch eine Romanze mit User «Rosebud» kitzelt allenfalls noch in der Fantasie (und in der Hose). Eingelöst wird nichts mehr. Wie eine Kröte wirft sich Lagerpusch immer wieder gegen die Zimmerwand, auf der Mangas und Shooter-Videos flackern. «Ich bin nicht euer verfickter Fernseher», ätzt er gegen das Publikum, wissend, dass diese radikale Zurschaustellung einer Ich-Krise, ästhetisch gesehen, ein verfluchter Triumph ist.
 

D ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2009
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Christian Rakow

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jeder Chor begründet eine Welt

Mein Gesicht fühlt sich total unecht an. Grässlich. Die Anderen mimen und chargieren, dass es mich graust. Das wird nie was. Zwanzig Stuttgarter Bürger und Bürgerinnen auf großer Bühne. Das wurde was. Die Inszenierung «Faust 21» am Schauspielhaus Stuttgart mit neun Schauspielern und uns, dem Stuttgarter Bürgerchor, lief vom Februar 2006 bis zum April 2007,...

Ringen ums Verstehen

Die perfekte Woche: Kreta, zwei befreundete Paare, ein Minigolfturnier. Zwar ist die kompetitive Wirtschaft nicht ganz ausgeschaltet, und wer das Turnier verliert, muss den anderen das Hotel bezahlen. Aber «seit einem Jahr keine Pause, da muss man sich nicht schämen», nicht einmal als Schweizer. Zumal das pausenlose Jahr offenbar auch einigermaßen ereignislos...

Umblättern im Reclam-Heft

Das «M» von «Maria Stuart» hängt auf dem Titelblatt des Programmheftes wie abgehackt. Das ist aber auch schon der einzige Gag, den sich das Nürnberger Theater leistet, wenn es an Schillers tragischen Damen-Machtkampf geht: Stefan Otteni nämlich hat eine so strikte, ehrfurchtsvolle, letztlich uninspirierte und zähe Inszenierung abgeliefert, dass einem der...