Das große Tabu

Fünf Regisseure beschäftigen sich am Berliner Ballhaus Naunynstraße mit der «Beleidigten Nation» und dem Völkermord an den Armeniern.

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Orange leuchtet die Glühbirnen-Schrift auf der grauen Lamellenleinwand, die den dunklen Raum der kleinen Studiobühne teilt: «NEDEN» – Warum? Aus dem nur halb einsehbaren Bühnenhintergrund sprechen drei Männer chorisch den Paragraf 301 des türkischen Strafgesetzbuchs, der die öffentliche Beleidigung des «Türkentums» (seit 2008 der «türkischen Nation») unter Gefängnisstrafe stellt.

Vor der Leinwand landen die nachgespielten Szenen der politischen TV-Talkshow «Neden» bei ihrem eigentlichen Thema: Die Diskussion um den EU-weit umstrittenen Paragrafen, auf dessen Grundlage die türkische Justiz immer wieder Kritik am Staat als Angriff auf seine nationale Ehre wertet, führt zielgenau zum Völkermord der Türken an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs.

Beseitigung eines «Landesverräters»

Eric Friedler zeigte in seinem Dokumentarfilm «Aghet – Ein Völkermord» im NDR 2010 grauenvolle Bilder aus dieser Zeit. Regisseur Züli Aladag ergänzt Sequenzen aus diesem bemerkenswerten Film (in dem Schauspieler wie Sandra Hüller, Burghart Klaußner, Martina Gedeck und Hanns Zischler längst verstorbenen Zeitzeugen Gesicht und Stimme liehen), mit Spielszenen, die er aus dem Talkshow-Material von 2006 ...

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Theater heute März 2012
Rubrik: Magazin: Politisches Theater, Seite 61
von Anja Quickert

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