Da steht er nun
Der Künstler, den wir heute ehren, hat sich hier in Hamburg auf eine so eigene wie rätselhafte Weise vorgestellt – ganz ungerührt und in sich ruhend schien sie, diese Vorstellung, und hat doch einen großen Teil des Premierenpublikums so empört, dass man es mit der Angst bekam. Denn eine so lautstarke Wildheit gönnen sich die Anrainer der Elbvororte ja nicht alle Tage.
Die Ruhe, die einen solchen Sturm hervorrief, trug den Namen «Liliom». Wir wissen es alle, und wir erinnern uns genau. Es war Anfang Dezember 2000.
Ich sehe sie noch vor mir, diese fast leere Thalheimer-Bühne, und spüre noch, wie sie ihre ersten Signale in den Raum schickte. Keine Kirmes-Folklore will uns unterhalten. Niemand wird «Komm auf die Schaukel, Luise» singen, um uns davon abzulenken, dass hier ein Volksstück so radikalisiert wird, dass die Nähe zu Horváth aufscheint. An einer Wand der Griff eines Messers, und es ist, als warte es auf Woyzeck.
Es kommt aber sein Soul Brother Liliom, das heißt: Peter Kurth, dieser Liliom, kommt nicht. Er steht gleich da und starrt und wartet und bewegt sich nicht. Ist gleich das Rätsel, das er auch bleibt: Strähnig das Haar, massiv der Körper, und niemand weiß, was in dem ...
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