Das Auftreten des Zimmermädchens

Viele Beobachtungen und Ideen sind in Clemens Setz’ zweites Stück «Die Abweichungen» – der Stückabdruck liegt diesem Heft bei – eingeflossen, vom Outsider Artist Henry Darger über Werner Herzogs Begriff der «ekstatischen Wahrheit» bis hin zu Ideen seiner Lektorin: ein Gespräch

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Eva Behrendt Reden wir über Ihr zweites Stück!

Clemens Setz Inzwischen gibt es schon das dritte. Es wird am Grazer Schauspielhaus gerade von der Schweizer Regisseurin Claudia Bossard wild umgeschrieben, ganz neu, völlig anders. 

EB Und das ist okay für Sie, auch bei der Uraufführung?

Setz Absolut. Tatsächlich scheint es diese Tradition zu geben, bei der Uraufführung noch etwas vorsichtiger zu schauen, was so drinsteckt in einem Stück. Aber letztlich gibt keinen zwingenden Grund dafür.

 

EB Im Oktober kommen aber zunächst «Die Abweichungen» am Schauspielhaus Stuttgart heraus.

Setz Das «unspielbare Stück»! (lacht) Nicht unlesbar, glaube ich, aber anscheinend unspielbar.

EB Wieso unspielbar? 

Setz Es gibt mehr als sechs Figuren darin, an die zwanzig, glaube ich. Und das Theater hatte viele Änderungswünsche. Ob die Figuren nicht bitte einen Monolog halten könnten, der erklärt, worum es in diesem verdammten Stück eigentlich geht. Ich hab mich gewehrt, eitel, wie man halt ist, aber schließlich fand ich mich selber unreif und habe doch ganz kooperativ ein paar Szenen dazugeschrieben.

EB Dabei tauchen Sie ja sogar in der ursprünglichen Fassung selbst als Figur auf, die eine ...

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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Eva Behrendt

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