Bruch- und Herzstücke
Mit Dimiter Gotscheff ließ sich besser schweigen als reden. Als hätte er seinen Augen mehr getraut als Worten. Wenn Gotscheff zu reden begann, rau und warm, war es stockend, tastend. Ein Kampf, etwas über die Lippen zu bringen. Mehr Skepsis als Phlegma. Keine Floskeln und griffigen Formeln, keine Manöver. Keiner unserer Theater-Muntermacher, Alleskönner und Selbstdarsteller.
Das entfesselte Chaos auf seinen Bühnen ist reaktives Verhalten zum Schweige-Gebot – anfangs in Köln, wohin ihn Klaus Pierwoß hellsichtig holte, um Müllers «Quartett» (1985), «Emilia Galotti» als Schlaf Traum Schrei (1986) und «Die Troerinnen» (1988) zu inszenieren; später in Düsseldorf in der Ära Volker Canaris und im Triumvirat mit Leander Haußmann und Jürgen Kruse von 1995 bis 2000 während der unterschätzten Intendanz in Bochum. Die Bühne Welt kracht in ihrem Getriebe. Die
Maschinerie rotiert. Der Fatalismus hisst seine Flagge.
Hinter den apokalyptischen Figuren seiner Inszenierungen bleckt, grinst, trauert die Gesellschaft im Wissen, dass «die Fata Morgana des Schlaraffenlandes von der Totenstarre befallen» (Adorno) ist. Auf Achim Römers gipsern zerborstener «Quartett»-Landschaft – das also bleibt vom ...
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Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Abschied Dimiter Gotscheff, Seite 39
von Andreas Wilink
Das Rauschen des Meeres. Rhythmisch schwanken die verlorenen Menschen hin und her, während die Musiker den Takt vorgeben. Eine Frau in Weiß (Claudia Iglesias Ungo) taucht auf der Kante des verrotteten Schwimmbadbunkers auf, zieht geisterhaft ihre Kreise, während zwei Immigranten (Robin Sondermann und Alexander Swoboda) ihr zusehen, aber aus Angst vor Entdeckung der...
Allem Anfang muss ein Zauber erst injiziert werden, und Stefan Bachmann und sein Team arbeiten hart daran, Köln zu verzaubern. Die Neugier auf den Nachfolger Karin Beiers ist groß. Bachmann tritt ein gutes Erbe an. Wenn ein Theater so ins Zentrum der Aufmerksamkeit einer Stadt gerückt worden ist, kann man auch riskieren, es räumlich an die Peripherie zu...
Hautkontakt
zwischen
Ich und Welt
Rüdiger Safranski:
«Goethe.
Kunstwerk des Lebens»
Rüdiger Safranski ist der große Porträtkünstler unter den deutschen Philosophen, ein erzählender Denker und sanfter Theorieflüsterer, der dem Lesepublikum das wilde Denken so vertrauensbildend zuführt, als wäre die Ideengeschichte ein Streichelzoo. Stets leichtfüßig, elegant und...
