Britta Lieberknecht «Berühren – Zerreissen»
Es kursiert eine flotte Soziologenformel für das Sexualverhalten in westlichen Gesellschaften: Wir seien konstant «oversexed und underfucked», so lautet die Diagnose, will sagen: Während die Medien für den erotischen Overkill sorgen, passiert realiter nicht viel. Der Grund: Auch das Intimleben ist Stress, wenn im Kamasutra der Fiktionen die Lust zu einer Frage gelungener oder gescheiterter Inszenierung gerät. Eine dieser Dramatisierungen sieht so aus: Ein Liebespaar fetzt sich die Klamotten vom Leib. Im Theater gehört so etwas im Ranking trivialer Reißer ganz nach oben.
Solche Szenen brauchen Mut zu Kitsch und Drastik, oder sie brauchen Ironie. Die Kölner Choreografin Britta Lieberknecht bringt in ihrer Produktion «Berühren – Zerreißen» beides verwirrend gut zusammen.
Das Paar auf der Bühne durchlebt offenbar eine spannungsvolle Beziehungsphase und lässt keine Gelegenheit aus, miteinander in Konkurrenz zu treten. Unterwäsche ist über Stuhllehnen gespannt, ein Herren- und ein Damenset, knitterfrei. Olaf Reinecke und I-Fen Lin ziehen je ihren «Einkleide-Stuhl» an einem Faden zu sich heran – um danach ihrer Klamotten-vom-Leib-reißen-Leidenschaft zu frönen. So amüsant hat man sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bei der Pressekonferenz letzten November kamen ihr fast die Tränen. «Meine Energie kann ich endlich auf die Kreation richten», sagte sie, anstatt sich weiter «im Überlebensmodus» ständig mit Organisieren und Terminen herumzuschlagen. Jeder Choreograf kennt diese Plage. Dabei hat niemand der Kanadierin hier ein Paradies versprochen. Aber so ein Angebot habe sie noch...
Es gibt Künstler, die plötzlich von der Bildfläche verschwinden, sich wie in einen Kokon zurückgezogen haben und irgendwann unerwartet wieder von der Bühne grüßen, mit neuem Stil und neuen Ideen. Ist die Persönlichkeit stark genug, springen die Produzenten von einst wieder an, die Türen der Theater und Festivals öffnen sich erneut. Für Jérôme Bel lief das so, mit...
Wenn das Stuttgarter Ballett mal wieder einen Choreografen als Ballettdirektor in die Welt hinausschickt, diesmal Christian Spuck, liefert die Noverre-Gesellschaft zuverlässig Nachschub: diesmal die drei Namensgeber des neues Programms «Breiner Lee Volpi» im Schauspielhaus, die alle in Reid Andersons Kompanie tanzen.
Douglas Lee liebt das extreme Verbiegen der...
