Britta Lieberknecht «Berühren – Zerreissen»

Köln

Tanz - Logo

Es kursiert eine flotte Soziologenformel für das Sexualverhalten in westlichen Gesellschaften: Wir seien konstant «oversexed und under­fucked», so lautet die Diagnose, will sagen: Während die Medien für den erotischen Overkill sorgen, passiert realiter nicht viel. Der Grund: Auch das Intimleben ist Stress, wenn im Kamasutra der Fiktionen die Lust zu einer Frage gelungener oder gescheiterter Inszenierung gerät. Eine dieser Dramatisierungen sieht so aus: Ein Liebespaar fetzt sich die Klamotten vom Leib. Im Theater gehört so etwas im Ranking trivialer Reißer ganz nach oben.

Solche Szenen brauchen Mut zu Kitsch und Drastik, oder sie brauchen Ironie. Die Kölner Choreografin Britta Lieberknecht bringt in ihrer Produktion «Berühren – Zerreißen» beides verwirrend gut zusammen.
 

Das Paar auf der Bühne durchlebt offenbar eine spannungsvolle Beziehungsphase und lässt keine Gelegenheit aus, miteinander in Konkurrenz zu treten. Unterwäsche ist über Stuhllehnen gespannt, ein Herren- und ein Damenset, knitterfrei. Olaf Reinecke und I-Fen Lin ziehen je ihren «Einkleide-Stuhl» an einem Faden zu sich heran – um danach ihrer Klamotten-vom-Leib-reißen-Leidenschaft zu frönen. So amüsant hat man sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2010
Rubrik: KALENDER, Seite 38
von Nicole Strecker

Vergriffen
Weitere Beiträge
tanz im tv

«pitie!» von alain platel 

Seine choreografierte Interpretation zu Bachs «Matthäuspassion» tourte bis in den Kongo, in die Heimat des Countertenors Serge Kakudji. Hier endete letztes Jahr das Leidenswerk Jesu – pathetischer Schlussakkord einer Choreografie, bei der Kakudji die Rolle des schwarzen Jesus sang und nun vom Glück erzählt, an ihn auch glauben zu dürfen....

Auf dem Tanzsteg

Nirgendwo in Spanien spielen Tanz und Musik eine so große Rolle im Leben der Menschen wie im Süden, in der autonomen Gemeinschaft Andalusien. Der hiesige Flamenco, heißt es, stamme von den Zigeunern ab, aber längst ist er Teil der Kultur aller hier lebenden Menschen geworden. Meinen Freunden in den andalusischen Städten Sevilla, Gra­nada und Jerez de la Frontera...

Tanzmarketing

Es gibt 128 Automarken auf der Welt und ungefähr gleich viele Tanzkompanien in Deutschland. Die Zahl lässt sich bequem kürzen auf die erfolgreichen Marken oder auch ausweiten, wenn man die Eigenbauten mitzählt. «Das ­Auto» aber oder «der Tanz» – als Marke –, so etwas gibt es nur bei VW, seit dessen Marketingabteilung zeigen wollte, wer die wirkliche Macht am Markt...