Braunschweig: Träume selbst!
Oft kennen Männer keine Hemmung, wenn der sexuelle Überdruck zu groß wird; sie scheuen dann selbst vor ungeheuren, monströsen, fürchterlichen Dingen nicht zurück. Ab Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts (und in entlegeneren Gegenden bis in dieses hinein) stand als Triebabfuhrstation eine ziemlich übel beleumundete Institution zur Verfügung: die Peep Show. Männer schauten darin nackten Frauen (zuweilen auch Paaren) zu, die sich auf rotierenden Podesten räkelten; vor diesem Bild aber ging je nach Münz-Einwurf eine Sichtblende runter oder wieder rauf.
Kommerzieller und unerotischer war die Beschwörung von Sex eigentlich nie.
Inzwischen ist die klassische Peep Show ausgestorben – die junge Regisseurin Rieke Süßkow aber, frisch diplomiert an der Theaterakademie in Hamburg, erfindet sie neu für ein formal recht spektakuläres Projekt am Staatstheater in Braunschweig. Dort gibt es im Kleinen Haus das «Aquarium», früher eine Probebühne, heute ein leerer Raum über dem Eingangsfoyer. Hier also nehmen nun pro Vorstellung 30 Gäste Platz wie in der Peep Show selig: jeder (und jede) für sich und mit sich allein, in einer Art Mönchszelle oder Beichtstuhl mit Blick in den Innenraum – ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Michael Laages
40 ist die Panikgrenze. Diese 40, in Worten «fourty», flammt weiß und drohend über der dunklen Bühne auf: Wer jetzt kein Kind hat, macht sich keines mehr, lautet der Subtext dieser harmlosen Ziffern, der Frauen bis heute eingeimpft wird. Das ist biologistisch und in Zeiten von «Social Freezing» nicht mehr ganz aktuell. Doch bei Casting-Agentin Anna hat es...
Im Nachmittagsstau auf der repräsentativen Avenida Paulista tanzen zwei Frauen und drei Männer; das Jazz-Quartett, das sie begleitet, spielt an gegen Hupen und Motoren. So richtig gefährlich ist die kleine Show zwar nicht, denn ohnehin ist Stop-and-Go die Höchstgeschwindigkeit um diese Tageszeit – und doch ist das Spektakel programmatisch gedacht: als öffentliche...
Die Tür im Eisernen Vorhang knallt, Niels Bormann kommt auf die Gorki-Bühne und sagt zur Begrüßung: «Entschuldigung». Haha, er ist wieder da: Vor zehn Jahren erfand sich der 45-jährige Schauspieler in der ersten israelisch-deutschen Koproduktion der Theatermacherin Yael Ronen als ultradeutscher, beflissen-klemmiger Wiedergutmachungsstreber, der zwar unter seinem...
