Barbara Burckhardt: Übungen, die ein bisschen wehtun
Per Geburtsdatum sind Anja Hilling, 1975 im Emsland geboren, und Oliver Kluck, 1980 auf Rügen, Fachleute für die Generation der Anfang- bis Mitt-30er, so genannte «Generationenporträts» sind ihre Spezialität.
An denen herrscht zur Zeit auch am Büchermarkt kein Mangel: «Wir haben (keine) Angst» nennt Nina Pauer ihr Buch, in dem sie ihre Alterskohorte auf die Couch legt, «Heult doch!» Meredith Haaf ihren Spottbericht über deren Luxusprobleme: die Tragödie der allzu vielen Möglichkeiten, allzu netten Eltern und eines vagen Drucks, trotzdem «etwas fühlen» zu wollen, Leidenschaft vielleicht, Tiefe oder auch nur Wut.
Dies Verlangen treibt auch Kluck und Hilling um, wobei Kluck immerhin einen Feind ausgemacht hat: die Arbeitsbedingungen in einem globalisierten Kapitalismus, der dem Einzelnen maximale Freiheit verspricht und damit maximale Flexibilität und Anpassung an die real existierenden (Selbst-)Ausbeutungsbedingungen erzwingt. «Warteraum Zukunft» brachte das im letzten Jahr aus der Sicht des Angestelltenopfers in einer verbalen Wutattacke auf den Punkt, die «Froschfotzenlederfabrik» servierte jetzt im Kasino des Wiener Burgtheaters den Perspektivwechsel auf die Seite der ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Barbara Burckhardt
Die Besetzung verblüfft alle: Warum soll ausgerechnet das schüchterne Entlein Fine die nymphomane Camille (eine «ausgehungerte Hyäne») spielen? Immerhin geht es um eine Aufführung in der Volksbühne, die der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann mit Schauspielschülern bestreiten will. Darum: Weil Fine einen «Schaden» hat! Und ein Schaden, das ist das Einfallstor für...
Welches Bild soll es sein? Welche optisch-szenischen Übersetzungen will das Theater finden für die Texte, von und mit denen es lebt? Gestaltet es die Welten für die Bühne bloß routiniert – oder setzt es auf Behauptungen, die den Inszenierungen Orientierung geben? Wann und wo beginnt die Handschrift der Bühne; für jeden Bühnenbildner, jede Bühnenbildnerin – und für...
Früher war mehr Lametta und sowieso alles besser. Auf solch seelenstreichelndes Geseufze mag sich zurückziehen, wer in der Gegenwart keinen Halt mehr findet und mit der Zukunft schon abgerechnet hat. Doch die Zeit bleibt nicht stehen – und auf einmal sind uns die in die Jahre gekommenen Rückwärtsgewandten verwandter, als wir wahrhaben wollen: Sie faseln längst...
