Baden-Baden: Im Machbarkeitswahn
Ob Goethe seinen «Faust» vom Ende her gedacht hat? Schwer vorstellbar, begann er doch bereits zu Studienzeiten mit der Arbeit an dem Stoff, schleppte sich schon für «Faust I» durch mehrere Entwurfsstufen und machte an «Faust II» erst als hochbetagter Geheimrat ein Schleifchen dran. Kein Wunder, dass er dieses Spätwerk mit seiner überbordenden Fülle an Themen und Motiven selbst als «inkommensurabel» bezeichnet hat. Doch davon lässt sich Harald Fuhrmanns Inszenierung am Theater Baden-Baden nicht schrecken.
Im Gegenteil: Sie schlägt sogar einen Bogen zum Anfang von «Faust I» in Fuhrmanns Inszenierung vor fünfeinhalb Jahren an selber Stelle mit dem weitgehend gleichen Team (kleine Werbeeinblendung fürs Ensembleprinzip!), so als sei auch die damalige Aufführung schon vom Ende des «Faust II» her gedacht gewesen.
Das gelingt dank des zentralen Elements in den Bühnenbildern beider Abende (Timo Dentler, Okarina Peters): einer Holzkiste, in der am Beginn von «Faust I» die Titelfigur zusammengedrängt kauerte, als Sinnbild eines Menschen, dem die Welt zu klein geworden ist (bzw. er ihr zu groß) und der sich in all seinem Bücherwissen lebendig begraben fühlt. Am Ende von «Faust II» ist sie dann ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Andreas Jüttner
Aachen, Grenzlandtheater
14. nach Rostand, Cyrano de Bergerac
R. Ulrich Wiggers
Aachen, Theater
16. nach Fassbinder, Die bitteren Tränen der Petra von Kant
R. Martin Schulze
22. Dlé, Android ergo sum (U)
R. Florian Hertweck
24. Schiller, Die Räuber
R. Ewa Teilmans
Augsburg, Theater
10. Ripberger, 1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße...
Ein Mann kommt abends zur Tür herein, zurück in den Schoß der Kleinfamilie, und sieht sich selbst am Tisch sitzen. Verständlicherweise reagiert er nicht gerade begeistert, zumal die Restfamilie so tut, als wäre alles in Ordnung. So beginnen spätestens seit der Romantik Identitätskrisen, die den scheinbar festgefügten Alltag aus den Angeln heben. Bald werden sich...
black snow falls
aus den notizen einer anonymen klimaforscherin
(spätes zwanzigstes jahrhundert)
zur besetzung freigegeben sind
ein singender Kondukteur
zwei chinesische Wanderarbeiter
eine handvoll Passagiere
Marianne Sonja Doris Fred Martin
und ein
ausgebrannter Chor im ewigen ice der
Spätmoderne
den man
so die empfehlung des verfassers
durchweg als kinderchor
besetzen...
