Baden-Baden: Im Machbarkeitswahn
Ob Goethe seinen «Faust» vom Ende her gedacht hat? Schwer vorstellbar, begann er doch bereits zu Studienzeiten mit der Arbeit an dem Stoff, schleppte sich schon für «Faust I» durch mehrere Entwurfsstufen und machte an «Faust II» erst als hochbetagter Geheimrat ein Schleifchen dran. Kein Wunder, dass er dieses Spätwerk mit seiner überbordenden Fülle an Themen und Motiven selbst als «inkommensurabel» bezeichnet hat. Doch davon lässt sich Harald Fuhrmanns Inszenierung am Theater Baden-Baden nicht schrecken.
Im Gegenteil: Sie schlägt sogar einen Bogen zum Anfang von «Faust I» in Fuhrmanns Inszenierung vor fünfeinhalb Jahren an selber Stelle mit dem weitgehend gleichen Team (kleine Werbeeinblendung fürs Ensembleprinzip!), so als sei auch die damalige Aufführung schon vom Ende des «Faust II» her gedacht gewesen.
Das gelingt dank des zentralen Elements in den Bühnenbildern beider Abende (Timo Dentler, Okarina Peters): einer Holzkiste, in der am Beginn von «Faust I» die Titelfigur zusammengedrängt kauerte, als Sinnbild eines Menschen, dem die Welt zu klein geworden ist (bzw. er ihr zu groß) und der sich in all seinem Bücherwissen lebendig begraben fühlt. Am Ende von «Faust II» ist sie dann ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Andreas Jüttner
So sieht also ein internationaler Strafgerichtshof aus. Der Angeklagte sitzt ein. Und zwar in einer Art Kiste auf vier dünnen Beinchen in der Bühnenmitte, wo er sich und seinen behaarten Bauch mit traurigen Kulleraugen vor einer Kamera räkelt. Um die Kiste herum in respektvollem Abstand nichts weiter als barock kurvende Tapetenwände, auf die die Kameraprojektion...
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