Babylonische Öfen
Dem europäischen Theater ist die Sorge vor der Ansteckung mit Krankheiten bereits in der Antike vertraut. Miasmen und Pesthauch, später dann Bakterien und Viren sind die unsichtbaren Akteure der europäischen Theatergeschichte. Maßnahmen der Vorbeugung, der Prävention, aber auch die Angst vor der Ansteckung und dem Fremden haben den Ort des Theaters in der Gesellschaft ganz wesentlich bestimmt.
Der Begriff der Prävention (von praevenire = zuvorkommen) zielt darauf, ein bestimmtes unerwünschtes Ereignis oder einen unerwünschten Zustand zu verhindern oder die erwarteten negativen Effekte des Ereignisses oder des Zustands zu begrenzen. Schon der römische Architekturtheoretiker Vitruv wollte die Theaterbauten weit weg von Sümpfen und Feuchtgebieten angelegt wissen, da dort, nach damaligem medizinischen Verständnis, ansteckende Krankheiten ihren Ursprung nahmen. Gerade weil die Schauspiele «an den Festtagen der unsterblichen Götter» stattfanden, galt es, den Ort des Theaters mit vorausschauendem Geschick auszuwählen. Eine besondere Gefährdungssituation ergab sich für Vitruv dabei aus der besonderen Rezeptionshaltung des Publikums:
«Denn die Bürger werden, die ganze Zeit hindurch mit ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Essay, Seite 32
von Jan Lazardzig
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«und wenn die politik / durchs gesetz behindert wird / wenn fortschritt wenn / dem hausverstand durchs gesetz / die hände gebunden»?, sinniert Kreon einmal. «Hausverstand» ist laut Duden die österreichische Version des «gesunden Menschenverstands». Ob Haus- oder gesund, in jedem Fall ist dieser spezielle, meist eher eingeschränkte «Verstand» das zentrale Argument...
