Babylonische Öfen
Dem europäischen Theater ist die Sorge vor der Ansteckung mit Krankheiten bereits in der Antike vertraut. Miasmen und Pesthauch, später dann Bakterien und Viren sind die unsichtbaren Akteure der europäischen Theatergeschichte. Maßnahmen der Vorbeugung, der Prävention, aber auch die Angst vor der Ansteckung und dem Fremden haben den Ort des Theaters in der Gesellschaft ganz wesentlich bestimmt.
Der Begriff der Prävention (von praevenire = zuvorkommen) zielt darauf, ein bestimmtes unerwünschtes Ereignis oder einen unerwünschten Zustand zu verhindern oder die erwarteten negativen Effekte des Ereignisses oder des Zustands zu begrenzen. Schon der römische Architekturtheoretiker Vitruv wollte die Theaterbauten weit weg von Sümpfen und Feuchtgebieten angelegt wissen, da dort, nach damaligem medizinischen Verständnis, ansteckende Krankheiten ihren Ursprung nahmen. Gerade weil die Schauspiele «an den Festtagen der unsterblichen Götter» stattfanden, galt es, den Ort des Theaters mit vorausschauendem Geschick auszuwählen. Eine besondere Gefährdungssituation ergab sich für Vitruv dabei aus der besonderen Rezeptionshaltung des Publikums:
«Denn die Bürger werden, die ganze Zeit hindurch mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Essay, Seite 32
von Jan Lazardzig
Jesus stammt aus Kamerun. Seine Jünger sind Erntearbeiter*innen und Politaktivist*innen, die in Süditalien gegen Ausbeutung, Korruption, rassistische Diskriminierung und Zwangsprostitution kämpfen. Milo Raus Film «Das neue Evangelium» verbindet politischen Aktivismus und Bibel-Überschreibung (s. TH 10/19). Szenen aus den Dreharbeiten, Dokumentation und...
I was thinking, what could I do to give something back to this wonderful city and the wonderful people here?», leitet die Performancekünstlerin Annie Sprinkle den wohl spektakulärsten Teil ihrer legendären Performance «Post Porn Modernist» ein. «I thought maybe I could show you all my cervix. It’s a lot of fun and I think you’d all enjoy it. Would you like to see...
Eine kurze, aber entscheidende Zeit ihrer Kindheit und Jugend verbringt Mely Kiyak in einem Bergdorf in der Türkei, wo sich ihre «verliebte Cousine» verloben will. Da es sich um keine arrangierte, sondern eine Beziehung «gegen den ausdrücklichen Wunsch ihrer Familie» handelt, trifft die Cousine sich schon vorher heimlich mit dem Auserwählten und berichtet den Wache...
