Babelsberg goes Fliegerhorst
Nur das «L» fällt aus dem Rahmen. Und markiert ein wenig Ironie in der «Wahlheimat» – das Wort steht haushoch an der Ausweichspielstätte des Staatstheaters in Oldenburg, dessen Haupthaus mit der Großen Bühne gerade auf ein Jahr zur Runderneuerung freigegeben ist; auf der Suche nach Ersatz wurde das Theater auf dem örtlichen Fliegerhorst fündig. Auf nicht mehr genutzten Rollfeldern, Start- und Landebahnen hocken Bataillone von Krähen. So unwirklich ist Theater an diesem Ort, dass auch das frohgemute Wort von der »Wahlheimat» nichts hilft – fremd bleibt fremd.
Drin in Halle 10 hat Oldenburgs Staatstheater allerdings keine Mühe gescheut, um eine funktionierende Bühne ins postmilitärische Vakuum zu bauen. Klaus Schumacher, der Gast vom gefährlich schlingernden Hamburger Schauspielhaus-Schiff, nutzt sie geschickt – und erzählt die poetische Theater-Geschichte um die «Kinder des Olymp» konsequent als Film-Fabel, als eine Art Making-of einer zeitgenössischen Remake-Version von »Les Enfants du Paradis». Und das auf breitestmöglicher Breitwand – so wurden in den 60er Jahren Monumental-Schinken wie «Doktor Schiwago» dem Publikum vor Augen geführt. Schumachers Film-Set nimmt Breite und Tiefe ...
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Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Michael Laages
Das Heidelberger Schauspiel hat sich in der Zeit des Theaterneubaus darauf verlegt, in
einer der Ausweichspielstätten Hollywood-Klassiker zu reanimieren. Scheint naheliegend zu sein, immerhin ist die Spielstätte ein ehemaliges Kino. Im Fall von «Wer hat Angst vor
Virginia Woolf?» und «Endstation Sehnsucht» war das ein Schlag ins Wasser, weil es die Filme bereits...
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«Postmigrantisches Theater» – ich weiß nicht, wozu dieses Etikett gut sein soll. Damit manövriert man sich in eine Sackgasse. Biedert sich an. Dass auch Leute, deren Vorfahren nicht immer in Deutschland gelebt haben, Theater machen, sollte selbstverständlich sein. Wann ist man denn nicht mehr Migrant? Wann darf ich denn endlich angekommen sein? Ich bin in Berlin...
