Ausweitung der matriarchalen Kampfzone
Die Steigerung von Mutter ist jüdische Mutter, und die Steigerung von Muttersprache ist Mameloschn, das Jiddische. Mit beidem setzt sich Marianna Salzmann in ihrem Stück «Muttersprache Mameloschn» auseinander: mit der Mutter als Problem und dem Jiddischen als Erbe, das für ihre jüngste Figur Rahel eher eine Großmuttersprache ist, die es wiederzuentdecken und neu zu befragen gilt. Rahel ist die Enkelin, die Tochtertochter in einer sehr vorübergehenden Drei-Frauen/Drei-Generationen-Wohngemeinschaft, zusammen mit ihrer Mutter Clara und ihrer Großmutter Lin.
Und Rahel will – nicht wirklich überraschend – weg, weg aus Deutschland, weg aus der matriarchalen Kampfzone von Mutter und Großmutter, weit weg nach New York.
Doch diese Fluchtbewegung ist zugleich eine Annäherung an die eigene Identität. Denn New York als die jüdischste aller amerikanischen Städte zwingt Rahel schon bei der Wohnungssuche via Internet zur Beschäftigung mit den eigenen Luftwurzeln, mit Bräuchen und Traditionen, die ihre Mutter von ihr ferngehalten hat. Das Apartment in der Lower East Side, in das sie einziehen will, wird nur untervermietet an jemanden, der koscher kocht. Wie das geht, erfährt Rahel nicht von ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 168
von John von Düffel
Wenn es einen Wunsch gibt, der innerhalb der Gegenwartskultur die Grenzen des Verstehbaren sprengt, dann wäre es der, nicht kreativ sein zu wollen. Dies gilt für Individuen ebenso wie für Institutionen. Nicht kreativ sein zu können, ist eine problematische, aber eventuell zu heilende und mit geduldigem Training zu überwindende Schwäche. Aber nicht kreativ sein zu...
A
Jorieke Abbing
Es schneit Eiderdaunen (Landesbühne Bruchsal)
B
Sergi Belbel
In der Toskana (Staatstheater Darmstadt)
Im Abseits (Nationaltheater Weimar)
Stephen Belber
Match (Hamburger Kammerspiele)
Moira Buffini
Willkommen in Theben (Staatstheater Oldenburg)
C
Alexi Kaye Campbell
Apologia (Städtische Bühnen Münster)
Marina Carr
Phaedra rückwärts (Staatstheater...
Vor fast hundert Jahren – und damit lange vor Artaud – hatte der russische Theateravantgardist Nikolai Jewreinow das Theater mit dem Schafott verglichen. Er träumte von einer Theatralisierung des Lebens und sah in Napoleon den größten Regisseur aller Zeiten. In seinem Kabarett «Der Zerrspiegel» bereitete er dem damaligen Theater symbolisch das Schafott, indem er...
