Ausgestorben und doch ganz lebendig
Rosmarie widerfährt etwas, dem manche Menschen sich täglich hingeben, während andere ein Leben lang darauf warten, es möge doch bitte geschehen. Sie verliebt sich Knall auf Fall in ein Wesen, das ihre Mutter und die Schwestern sofort auf die Abschussliste setzen. Dabei singt das Ding so schön, dass Rosmarie trotz ihres Panzers ganz weich wird: «Ich schlängle einfach zu Boden nieder und kein einziger Muskel ist mehr bereit sich anzuspannen, bis dass der Song sein Ende findet.»
Mit Rosmarie und dem singenden Wesen ist das wie mit Romeo und Julia.
Sie sind füreinander geschaffen, dürfen aber nicht zusammenkommen. Der familiäre Artenschutz verbietet es, sieht das Wesen doch so ganz anders aus als all die einheimischen Frauen eines Rudels, das in einer nicht genau definierten Zukunft die Erde bevölkert. Fest steht, dass all die Weibchen Reptilien sind. Und es sieht so aus, als seien sie so unsterblich wie Vampire und voluminös wie Dinosaurier. Immerhin drückt eine von ihnen irgendwann dieses unvermutet aufgetauchte Wesen platt wie ein Fladenbrot, allein mit seiner Pranke. Tragisch ist das allerdings nur für Rosmarie, die anderen verhandeln den «Mord» so unernst wie fröhliche Kinder es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Jürgen Berger
Theater heute Wir wollen über «Sistas!» sprechen, Golda Bartons Überschreibung von Tschechows «Drei Schwestern». Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das «Rassismus-Ding», wie es an einer Stelle heißt, ausgerechnet auf der Folie von «Drei Schwestern» zu verhandeln? Mit den Schwestern als Persons of Colour, einem ebenfalls Schwarzen Vater – statt Bruder – und einer...
Bitte nicht schon wieder politisches Theater, das wird die Welt nicht verbessern», meckert die grazile alte Dame in der ersten Reihe. Es ist Geraldine Chaplin, und es ist die Crème de la crème der römischen Upperclass, die sich auf Senecas Landsitz eingefunden hat, um unter freiem Himmel einer Exklusivvorstellung seines Dramas «Thyestes» beizuwohnen, der...
BERLIN, AKADEMIE DER KÜNSTE
bis 19.3., Käthe-Kollwitz-Preis 2022: Nan Goldin
Nan Goldin erhält den Käthe-Kollwitz-Preis 2022. Anlässlich der Preisverleihung zeigt die Akademie der Künste Fotografien aus fünf Jahrzehnten, darunter Schwarzweiß- und Farbfoto -grafien aus den frühen Bostoner Jahren, aus New York, Berlin und Asien sowie aktuelle großformatige Werke wie...
