Ausgestorben und doch ganz lebendig
Rosmarie widerfährt etwas, dem manche Menschen sich täglich hingeben, während andere ein Leben lang darauf warten, es möge doch bitte geschehen. Sie verliebt sich Knall auf Fall in ein Wesen, das ihre Mutter und die Schwestern sofort auf die Abschussliste setzen. Dabei singt das Ding so schön, dass Rosmarie trotz ihres Panzers ganz weich wird: «Ich schlängle einfach zu Boden nieder und kein einziger Muskel ist mehr bereit sich anzuspannen, bis dass der Song sein Ende findet.»
Mit Rosmarie und dem singenden Wesen ist das wie mit Romeo und Julia.
Sie sind füreinander geschaffen, dürfen aber nicht zusammenkommen. Der familiäre Artenschutz verbietet es, sieht das Wesen doch so ganz anders aus als all die einheimischen Frauen eines Rudels, das in einer nicht genau definierten Zukunft die Erde bevölkert. Fest steht, dass all die Weibchen Reptilien sind. Und es sieht so aus, als seien sie so unsterblich wie Vampire und voluminös wie Dinosaurier. Immerhin drückt eine von ihnen irgendwann dieses unvermutet aufgetauchte Wesen platt wie ein Fladenbrot, allein mit seiner Pranke. Tragisch ist das allerdings nur für Rosmarie, die anderen verhandeln den «Mord» so unernst wie fröhliche Kinder es ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Jürgen Berger
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