Aus vier mach zwei mach eins
Man kann die Geschichte kurz oder lang erzählen. In der Kurzform ist sie relativ einfach.
Mathias Brodkorb, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, hat ein Gutachten zur Theaterstruktur in Auftrag gegeben und möchte auf dieser Grundlage das Theater Vorpommern mit Sitz in Greifswald und Stralsund und die Theater und Orchester Neubrandenburg/Neustrelitz fusionieren, was 102 Arbeitsplätze kosten und 5,8 Millionen Euro einsparen würde: Die Angebote werden weiter eingeschränkt, die künstlerische Ausstattung eingeschmolzen und besonders die Häuser in Neubrandenburg und Neustrelitz der künstlerischen Bedeutungslosigkeit anheimgegeben, da die großen Produktionen im Musik- und Sprechtheater nur noch in Stralsund und Greifswald stattfinden sollen.
Für die längere Version muss man ein wenig in die Geschichte zurückgehen. 1994 fusionierten die beiden Stadttheater in Greifswald und Stralsund (mit der Bühne in Putbus) zum Theater Vorpommern, das fortan nicht einen Träger hatte, sondern von den beiden Städten, den Landkreisen und dem Land Zuschüsse bekam. Viele Köche, viel Brei. 2001 folgten die Kammerspiele Neubrandenburg und das Theater Neustrelitz unter ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Magazin: Strukturdebatte, Seite 77
von Torben Ibs
Als Matthias Lilienthal im Sommer 2012 mit einem launigen Theater-Parcours auf dem Tempelhofer Feld und einer dramatischen 24-Stunden-Bustour durch alte Westberliner Architektur-(Sünden-)Highlights seinen Ausstand als Intendant des Kreuzberger Theaterkombinats HAU gab, klang es in der Hauptstadtpresse ein bisschen so, als könne der Freie-Szene-Hort nach ihm...
Gott ist nicht tot. Nur einfach nicht da. Stattdessen ragt ein Kran von einer mehrstöckigen Plattform krakenhaft ins Nirgendwo. Das Studierzimmer: eine Schmuddelecke mit Waschbecken, und auch sonst hat sich einiges verändert im meistzitierten deutschen Drama, und das mit Recht, versteht sich, «denn alles, was entsteht/Ist wert, dass es zugrunde geht …» etc. pp....
Es verspricht kein besonders lustiger Abend zu werden. Bereits im Durchgang zur Hinterbühne werden die durch Fackeln illuminierten Besucher mit Geschrei und Gewimmer aus Lautsprechern begrüßt. Am Wegesrand backen Frauen Teigfladen, und das Ensemble wird mit Grabsteinen vorgestellt, zwischen denen aber auch die Namen toter Frauen von sozialen Protesten weltweit zu...
