Aus vier mach zwei mach eins

Fusionitis im Quadrat: Zwei ohnehin schon fusionierte Theater in Mecklenburg-Vorpommern sollen zusammengelegt werden, was 5,8 Mio Euro einsparen soll – Kulturpolitik als Trauerspiel mit vielen Beteiligten.

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Man kann die Geschichte kurz oder lang erzählen. In der Kurzform ist sie relativ einfach.

Mathias Brodkorb, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, hat ein Gutachten zur Theaterstruktur in Auftrag gegeben und möchte auf dieser Grundlage das Theater Vorpommern mit Sitz in Greifswald und Stralsund und die Theater und Orchester Neubrandenburg/Neustrelitz fusionieren, was 102 Arbeitsplätze kosten und 5,8 Millionen Euro einsparen würde: Die Angebote werden weiter eingeschränkt, die künstlerische Ausstattung eingeschmolzen und besonders die Häuser in Neubrandenburg und Neustrelitz der künstlerischen Bedeutungslosigkeit anheimgegeben, da die großen Produktionen im Musik- und Sprechtheater nur noch in Stralsund und Greifswald stattfinden sollen.

Für die längere Version muss man ein wenig in die Geschichte zurückgehen. 1994 fusionierten die beiden Stadttheater in Greifswald und Stralsund (mit der Bühne in Putbus) zum Theater Vorpommern, das fortan nicht einen Träger hatte, sondern von den beiden Städten, den Landkreisen und dem Land Zuschüsse bekam. Viele Köche, viel Brei. 2001 folgten die Kammerspiele Neubrandenburg und das Theater Neustrelitz unter ...

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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Magazin: Strukturdebatte, Seite 77
von Torben Ibs

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