Aus sich heraus sprechen
Der Star kam erst ganz am Ende des Wettbewerbs. Kim de l’Horizon, mit seinem/ihrem Roman «Blutbuch» Überraschungsgewinner des deutschen Buchpreises im vergangenen Jahr, hatte ein Werk beim Heidelberger Stückemarkt eingereicht. Nachdem sich die lesenden Schauspieler redlich durch seinen Text gemüht hatten, wollte sich dessen Sinn einfach nicht erschließen. Sollte er aber wohl auch gar nicht, denn l’Horizons Lust an Theater hat viel mit uneingeschränkter Spielerei, fabuliertem Unfug, auch Provokation zu tun.
Linkisch saß er/sie dann also nach der Lesung auf der Bühne und plauderte ein wenig wirr aus dem Autorennähkästchen: dass Sprechtheater doch heute nur noch Ausschlüsse produziere und es viel besser sei, alle Genres an einem Abend zu vereinigen. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Fantasy und Splatter, Schwule und Heteros, Drama und Drogen, Sex und Kuscheln: l’Horizon will die Zielgruppen abschaffen und alle vereinen. Außerdem kämen viel zu wenig Körper vor, die nicht von dieser Welt sind.
Folgerichtig spielt in l’Horizons Stück «Dann mach doch Limonade, bitch» auch ein Magen (eine Art Dark Room) die wichtigste Rolle, der rülpsend all das verdauen muss, was an Handlung Figuren wie ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Festivals, Seite 34
von Bernd Noack
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