Auf die Plätze, fertig, los!
Ein «Sommernachtstraum» mit Puck als fieser Raupe, die erst zum Schmetterling werden muss. Gegenwärtige Stützen der Gesellschaft als ein versoffener, autistischer Haufen. Der bürgerliche Traum von der Vermählung der schönen Künste mit dem Kapital, wie er im wahrsten Sinne des Wortes ins Bodenlose rutscht. Ein moderner Ruhrpott-Simplicissimus, der durch Sex, Drugs and Rock’n’Roll mäandert.
Schließlich Leonce und Lena, die Königskinder, die diesmal nicht zusammenfinden: Nach den ersten fünf Premieren lässt sich feststellen, dass Theaterbesuche in Essen wieder Überraschungen bereithalten.
Nach dreizehn, was die Besucherzahlen betrifft, durchaus erfolgreichen, gemütlich-konventionellen Jahren mit Jürgen Bosses psychologischem Realismus, praktisch ohne zeitgenössische deutsche Autoren, hat Anselm Weber, Publikum und Entscheidungsträgern der Stadt durch Regiearbeiten in der Aalto-Oper bekannt, das Essener Schauspiel übernommen. Der Beginn einer neuen Ära also, die sich für Theaterzeitung und Informationszettel ein blasses, aber unverwechselbares Rosa als Farbe erkoren hat. Das Titelblatt zum Neustart beherrscht ein stilisiert gezeichneter junger Mensch, der in Denker- oder Betrachterpose ...
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Tränen werden beim Abschied in Halle-Neustadt nicht vergossen. Fröhlich kräht eine Gruppe Menschen «Auf Wiedersehen, Sachsen-Anhalt» und «Tschüss, Halle» in den Nachthimmel. Wer sich am Bahnhof der einstigen Chemiearbeiter-Schlafstadt aufhält, winkt zurück. Die meisten Leute hier kennen die Prozedur. Sie haben sich an den Anblick von mit Akten bestückten,...
Heimat steht nicht hoch im Kurs im ach so progressiven deutschen Theater. Was soll man da mit einem Stück anfangen, das den Mittelteil einer «Heimattrilogie» stellt, wie «Dogland» von Nuran David Calis? Wie schon bei seinem Erstling «Dog eat Dog», der vor zwei Jahren am Thalia-Theater uraufgeführt wurde, ist der Ort der Handlung die Bielefelder Plattenbausiedlung...
Ein Lagerfeuer in der Bühnenmitte. Abiturienten tanzen, angeheizt von einem Akkordeonspieler mit russischem Soldatenkäppi. Rechts stehen massige Pfeiler im Bogen bis zur Hinterbühne. Gedämpftes Licht. Einen Vorhof zur Unterwelt – halb Kanalisation, halb Flussbett – hat Stefan Heyne auf die Bühne des Staatsschauspiels gebaut. An ihrem äußeren Rand hängt eine...
