An der grünen Grenze des Machbaren
Ein Afrikanerjunge liegt reglos auf weißem Grund. Was fehlt ihm nur? Unwillkürlich springt die Assoziationsmaschine im Zuschauerhirn an. Da liegt ein Flüchtlingskind, ertrunken am Strand, verdurstet in der Sahara, erschlagen am Straßenrand. Armer kleiner Kerl.
Ein beleibter Weißer setzt sich an den Rand der Szene, knackt eine Schokoladentafel, vertilgt sie wie eine Scheibe Brot, leckt sich die Finger, blickt mäßig interessiert auf das Kind. Es gibt ja sonst nichts zu gucken.
Der Mann hebt das halbnackte Bubenbündel auf die Arme. Da zappelt das Bündel und gräbt dem Dicken jäh die Zähne in die Gurgel. Jetzt geht der Weiße wie verendet zu Boden. Die Augen des Afrikanerjungen blitzen ins Publikum. Armer kleiner Kerl?
Die Performance im Kleinen Haus, gemeinsamer Beitrag der Gruppe Monster Truck mit dem nigerianischen Choreografen Segun Adefila und Jugendlichen aus Lagos, war in aller Kürze und Härte ein Höhepunkt des Internationalen Bürgerbühnenfestivals, das im Mai in Freiburg stattfand. Mit einer kühnen Mischung aus Grazie und Abscheu tanzen die Performer auf einen Loop von Tracy Chapmans Oldie «Sorry», der dem Stück den Titel gibt, über postkoloniale Klischees hinweg.
Am Ende ...
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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Bilanz, Seite 53
von Stephan Reuter
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