Alltag & Ekstase

Ein Sittenbild © GUSTAV KIEPENHEUER BÜHNENVERTRIEBS-GmbH, 14195 Berlin

Theater heute - Logo

Personen:
Janne, um die 40
Günther, um die 65
Sigrun, um die 50 / Gitta, um die 60
Takeshi, um die 30 / Jonas, um die 35
Katja, um die 35

 

  

Prolog / Jenseits von Eden I

Zwei dick eingepackte Gestalten mit Rucksack und Sturmbrillen, mit Karabinerhaken an ein straff gespanntes Seil gehakt, das links und rechts am Bühnenrand verschwindet.

Gitta Die Suche nach der angeblichen Schönheit der Natur ist eine solche Zumutung. Pause Ich seh sie jedenfalls nicht.
Jonas Wen siehst du nicht?
Gitta Die Schönheit.
Jonas Ich auch nicht. Pause Ich steh auf einem Berg und friere.
Gitta ruft ins Off Warum gehts hier nicht weiter?
Jonas Stau.
Gitta Wenn ich das gewusst hätte. Dass es SO ist hier oben.
Jonas Scheiße.
Gitta Jonas, wir haben keine Wahl. Wir müssen, verdammt noch mal, die Schönheit finden.
Jonas Ich versuch es ja. Ich teste sämtliche Angebote durch, die mir das Leben als Reparationszahlung anzubieten wagt. Ich bin ja nicht der Einzige, der vor der Aufgabe steht, den schrecklichen Mangel, den der Lustverlust in seine Existenz riss, mit Substitut zu stopfen.
Gitta Ersetzt der Berg diese Nächte?
Jonas Diese Nächte ersetzt nichts.
Gitta Meine Strategie war, es so mit diesen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Stück, Seite 99
von Rebekka Kricheldorf

Weitere Beiträge
Aktualitäts­verzweiflung

«Kabale und Liebe» ist eine sichere Bank für die Stadttheater. Infolge verunglückter Bildungsreformen werden die schulischen Theaterbesuche nämlich so bald nicht abreißen. Wäre da nicht die Krux mit der ständigen Neuauflage. Denn was lässt sich diesem landauf, landab gespielten Oberstufenstoff noch an Zeitgeist abringen?

Am Schauspiel Köln hat sich Simon Solberg...

«Ich will nicht subtil sein!»

Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger...

Burgunder fürs Parkett

Ein Mann wird verlassen, ein Kapitel geschlossen. Mobiliar, Wände, Boden sind weiß abgedeckt, ein früheres Leben verschwindet unter Laken wie eine Leiche. Zeit, sich neu zu erfinden. Gesichter flammen auf, die Laken sind jetzt Leinwände neuer Lebensgeschichten, «Entwürfe zu einem Ich», die Max Frisch 1964 variantenreich ausbreitet, um letztlich doch von der...