Adler des Augenblicks
«Wenn man schon Unrecht tun soll, dann um der Herrschaft willen. Das ist das schönste Unrecht!» Diese Tyrannenlogik, die aus dem Zustand der Welt das Unrecht rechtfertigt und Heuchelei und Machtgier feiert, kommt bei Euripides aus dem Mund des Verteidigers der Stadt. Der Angreifer rechtfertigt sich ganz einfach mit Habgier: «Das Geld ist bei den Menschen die stärkste Macht. Dem jag ich nach.»
Sophokles und Aischylos erzählen dieselbe Geschichte vom Untergang der Kinder des Ödipus als Kollision von staatlichem Recht und individueller Moral.
Bei Euripides zählt nur die Realität: Krieg und Eigeninteresse. Die eigentliche Heroine ist Iokaste, die ihren blindwütigen Söhnen Eteokles und Polyneikes Gleichheit predigt. Doch sie geht unter.
Robert Borgmann nennt seine Fassung der «Phönizierinnen» des Euripides «Wir Kinder von Theben». Wer sind «wir»? Grenzt sich hier die thebanische Jugend von den alten Machthabern ab? Oder sind es wir alle, die Heutigen, die Kindeskinder des erkenntnis–süchtigen Unheilbringers Ödipus? Ob Generationenkonflikt oder Menschheitsklage – der Titel des Abends ist ein weiter Wurf, dem die Inszenierung atemlos und etwas orientierungslos, aber einfallsreich ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Chronik Köln, Seite 49
von Gerhard Preußer
Früher war mehr Lametta und sowieso alles besser. Auf solch seelenstreichelndes Geseufze mag sich zurückziehen, wer in der Gegenwart keinen Halt mehr findet und mit der Zukunft schon abgerechnet hat. Doch die Zeit bleibt nicht stehen – und auf einmal sind uns die in die Jahre gekommenen Rückwärtsgewandten verwandter, als wir wahrhaben wollen: Sie faseln längst...
Du bist gestorben, aber als Energie bist du da, als geistige Kraft, und die Erinnerungen an dich sind in meinem Kopf gespeichert, Bilder, dein Lachen, deine Neugier, deine Direktheit, aber auch deine ablehnende Scheu, wenn Grenzen, die du gesetzt hattest, verletzt wurden; dein Interesse, das du für mich hattest, die Wahltochter, wie du mich bisweilen nanntest; vor...
5./Sonntag
16.50 3sat: Die Schachnovelle Spielfilm (1960) nach Stefan Zweig, mit Curd Jürgens, Claire Bloom, Hansjörg Felmy, Mario Adorf u.a., Regie Gerd Oswald
8./Mittwoch
0.20 ARD: Der rote Kakadu Spielfilm (2006) von Karin Aström und Michael Klier, mit Max Riemelt, Jessica Schwarz, Kathrin Angerer, Devid Striesow u.a., Regie Dominik Graf
9./Donnerstag
21.00 3sat:...
