Die will nur spielen

Die österreichische Schauspielerin Stefanie Reinsperger hat gerade erst am Burgtheater angefangen und ist schon wieder weg. Porträt einer Spielsüchtigen

Theater heute - Logo

Wenn junge Schauspielerinnen ans Burgtheater engagiert werden, fangen sie üblicherweise erst einmal klein an. Oder sie spielen klassische Jungschauspielerinnenrollen wie Julia oder Luise. Stefanie Reinsperger, damals noch 26, debütierte vergangenen September mit dem fünfzehn Minuten langen Solo eines «schwarzen Negers aus Somalia», der sich wegen Piraterie vor einem Hamburger Gericht verantworten muss.

Der absurd komische und grotesk grausame Monolog, mit dem Wolfram Lotz’ postkolonialistische Farce «Die lächerliche Finsternis» beginnt, ist zwar ein toller Text, aber auch so ziemlich die schwierigste Vorlage, die man sich für ein Debüt vorstellen kann. Nicht nur, dass sich eine bitterernste Witzfigur wie diese nicht so einfach herstellen lässt, muss man sich auch vor den vielen Fallen in Acht nehmen, die in der doppelbödigen Vorlage verborgen sind.

Der junge Mann berichtet davon, wie er und sein bester Freund nicht mehr vom Fischen leben konnten, weil die Meere leergefischt waren, und wie er daraufhin in Mogadischu ein Diplomstudium der Piraterie absolvierte. Und er erzählt von seinem ersten, gründlich misslungenen Kaperversuch, der seinen Freund das Leben gekostet und ihn selbst ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2015
Rubrik: Porträt, Seite 41
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Brennpunkt Dessau: Glaube + Heimat

André Bücker neigt weder als Regisseur noch als Noch-Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau zu übertriebener Raffinesse und subtilen Zwischentönen. Als im vergangenen Jahr der Konflikt mit dem Land Sachsen-Anhalt, das seine Theaterzuwendungen unter dem machtbewussten Kultusminister Stephan Dorgerloh systematisch reduziert, eskalierte, antwortete Bücker mit...

Debatte: Das schlafende Tier

Zunächst einmal konnte sich der Gesprächsgegenstand ordentlich auf die Schulter klopfen: Kaum ein Zuschauer, der zur Diskussionsveranstaltung «Die Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg erschienen war, dürfte sich je ein derart spektakuläres Bild von sich selbst gemacht haben, wie es – befragt von der Radiomoderatorin Anja Caspary –...

Produktive Verunsicherung

Irgendetwas stimmt nicht. Den Eindruck gewinnt man schnell bei Inszenierungen von Susanne Kennedy. Herauszufinden, woran das liegt, ist dagegen nicht so einfach. Doch genau dadurch entsteht der seltsame Sog dieser Arbeiten, mit denen die deutsche Regisseurin mit englischem Namen und Studium an der Amsterdamer Hogeschool voor de Kunsten seit einigen Jahren das...