Das Rundumglücklichpaket
Klüger und ausgewogener hätte kein Auftakt geplant werden können. Joseph Conrads Weltliteratur «Heart of the Darkness» auf der einen, das Auftragswerk an den Dramatiker Bärfuss auf der anderen Seite. Hier die Romanadaption zur Kolonialgeschichte, dort das zeitgeistige Ehedrama vor dem Hintergrund globaler Ölgeschäfte. Die Reise ins Fremde als Spiegel der eigenen Aufbruchspläne, die kritische Sicht auf den unternehmungslustigen Westen gleich inklusive.
Das Theater des Bilderregisseurs Andreas Kriegenburg auf der Kammerspielbühne, die Uraufführung durch den psychologisch versierten Stephan Kimmig im Großen Haus. Wie sorgsam gefeilte Zahnrädchen greift in diesem dramaturgisch ausgetüftelten Rundumglücklichpaket alles ineinander. Jedenfalls auf dem Papier.
Nicht nur dem Premiereneröffnungsdoppel, das der neue Intendant im «dt-magazin» als «ohne Netz und doppelten Boden» bezeichnet, auch Ulrich Khuon eilt ein tadelloser Ruf voraus. Der Mann ist Schwabe, bescheiden, vernünftig, verantwortungsvoll. Er hat Theologie und Germanistik auf Lehramt studiert, dann aber eine Theaterlaufbahn eingeschlagen, die mit den Stationen Konstanz, Hannover, Hamburg und Berlin stetig nach oben ging. ...
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Ein Meisterregisseur, der charismatisch und zugleich originell ist wie Jürgen Gosch, wird über seinen Tod hinaus Schule machen und für die künftige Theaterpraxis eine Reihe brauchbarer Blaupausen hinterlassen; das ist nicht weiter erstaunlich. Für ihren Kölner «König Lear» hat Karin Beier sich nicht nur der Mitwirkung seines Bühnenbildners Johannes Schütz...
Das deutsche Theater und der deutsche Film haben nicht viel gemeinsam. Während das eine, bei allem, was man an ihm kritisieren mag, einen guten Ruf genießt, weltweit gesehen aus einem recht einzigartigen ökonomischen Reichtum schöpft, der immer wieder auch künstlerisch herausragende Formen hervorbringt, erscheint der andere, bei allem, was an ihm zu loben ist, aus...
Man stelle sich ein Stück vor mit etwa einem halben Dutzend Antje Vollmers: alles herzensgute Menschen, die mit eiserner Unbedingtheit ein Leben lang das Allerbeste wollen und doch nur als Talkshowgäste enden.
So ähnlich muss man sich die generationenübergreifende Patchwork-Familie denken, die Darja Stocker in «Zornig geboren» zusammenruft. Sophie, angehende...
