Das Rundumglücklichpaket
Klüger und ausgewogener hätte kein Auftakt geplant werden können. Joseph Conrads Weltliteratur «Heart of the Darkness» auf der einen, das Auftragswerk an den Dramatiker Bärfuss auf der anderen Seite. Hier die Romanadaption zur Kolonialgeschichte, dort das zeitgeistige Ehedrama vor dem Hintergrund globaler Ölgeschäfte. Die Reise ins Fremde als Spiegel der eigenen Aufbruchspläne, die kritische Sicht auf den unternehmungslustigen Westen gleich inklusive.
Das Theater des Bilderregisseurs Andreas Kriegenburg auf der Kammerspielbühne, die Uraufführung durch den psychologisch versierten Stephan Kimmig im Großen Haus. Wie sorgsam gefeilte Zahnrädchen greift in diesem dramaturgisch ausgetüftelten Rundumglücklichpaket alles ineinander. Jedenfalls auf dem Papier.
Nicht nur dem Premiereneröffnungsdoppel, das der neue Intendant im «dt-magazin» als «ohne Netz und doppelten Boden» bezeichnet, auch Ulrich Khuon eilt ein tadelloser Ruf voraus. Der Mann ist Schwabe, bescheiden, vernünftig, verantwortungsvoll. Er hat Theologie und Germanistik auf Lehramt studiert, dann aber eine Theaterlaufbahn eingeschlagen, die mit den Stationen Konstanz, Hannover, Hamburg und Berlin stetig nach oben ging. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer noch einmal eine bizarre Industriebrache in den Dimensionen des Ruhrgebiets oder Mittelenglands erleben möchte, der sollte sich ins zentralpolnische Lodz begeben. Über hundert Jahre qualmten hier die Schlote über gigantischen Textilfabriken, bis mit dem Zusammenbruch des Ostblockmarkts 1990 praktisch über Nacht Schluss war. «The freedom to go bankrupt» bewirbt...
Die Revolution im Theater gibt es nicht für Frey. Und auch nicht für umsonst. Das haben die Bremer Kulturverantwortlichen gerade zum wiederholten Male lernen müssen, und mit Hans-Joachim Frey besonders drastisch und teuer. Denn der Hamburger Musikmanager kam von der Dresdner Semperoper an den Goetheplatz mit dem Versprechen, die finanzielle Dauerkrise, die seinen...
Man stelle sich ein Stück vor mit etwa einem halben Dutzend Antje Vollmers: alles herzensgute Menschen, die mit eiserner Unbedingtheit ein Leben lang das Allerbeste wollen und doch nur als Talkshowgäste enden.
So ähnlich muss man sich die generationenübergreifende Patchwork-Familie denken, die Darja Stocker in «Zornig geboren» zusammenruft. Sophie, angehende...
