Der Schatten eines Zweifels
Shakespeare? Blutiges englisches Königsdrama? Nein, Schiller, trockene deutsche Tragödienklassik. Und dennoch beginnt «Maria Stuart» in der grandiosen Zürcher Schiffbauhalle very british. Der Gitarrist Claus Boesser-Ferrari und der Stimmvirtuose Graham F. Valentine erklimmen zwei Podeste. Von dort aus erklingen luftige Renaissance-Songs; von dort aus überblicken sie, über alle Verwicklungen erhaben, den Sumpf des elisabethanischen Erbfolgestreits, den Heinrich VIII. seinem Königreich hinterlassen hat.
Welchen Geist die Regisseurin Barbara Frey in diesem Staate ortet, unterstreicht der erste Auftritt: Es ist der Quälgeist der Spitzelei. Ritter Paulet (Klaus Brömmelmeier) schleicht herbei, eine Schatulle in den Klauen. In seinem Kerker schmachtet Maria Stuart. Soeben kramt er in ihren Geheimnissen, durchaus genüsslich und immer im Dienste seiner Majestät, jener Elisabeth I., die um ihren Thron fürchtet, solange die Stuart darauf schielt. Bekanntlich ist die Schottin mit dem kontinentalen katholischen Hochadel im Bunde. Darüber hinaus verfügt sie über einen dynastisch einwandfreien Stammbaum – im Gegensatz zu Elisabeth, Spross der unheiligen zweiten Ehe von King Henry und Anna ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Frage, die man sich im Alltag öfter stellen sollte: Wann ist uns eigentlich das letzte Mal der gehörnte Gott Pan begegnet? Als Bronze im Museum? Verstaubt im griechischen Mythenschmöker? Oder, sinniert das britische Kulttrio Improbable Theatre, steckt seine subversive Kraft in uns allen? Auf Spurensuche in manch vielversprechender Londoner Premiere der letzten...
Endlich mal kein Abend nach Maß, sondern mit Übermaß! Im Saal dröhnen die Unmutsäußerungen: «Das ist doch kein Theater!» Zwei Drittel des Publikums verlassen die Aufführung vor der Zeit. Und das am eigentlich durch Experimentaltheater gestählten HAU2 des Hebbel-am-Ufer in Berlin!
Was war das für ein Auftakt für das 3. Nordwind-Festival: Die Ibsen-Travestie «Ein...
Klüger und ausgewogener hätte kein Auftakt geplant werden können. Joseph Conrads Weltliteratur «Heart of the Darkness» auf der einen, das Auftragswerk an den Dramatiker Bärfuss auf der anderen Seite. Hier die Romanadaption zur Kolonialgeschichte, dort das zeitgeistige Ehedrama vor dem Hintergrund globaler Ölgeschäfte. Die Reise ins Fremde als Spiegel der eigenen...
