Der Schatten eines Zweifels
Shakespeare? Blutiges englisches Königsdrama? Nein, Schiller, trockene deutsche Tragödienklassik. Und dennoch beginnt «Maria Stuart» in der grandiosen Zürcher Schiffbauhalle very british. Der Gitarrist Claus Boesser-Ferrari und der Stimmvirtuose Graham F. Valentine erklimmen zwei Podeste. Von dort aus erklingen luftige Renaissance-Songs; von dort aus überblicken sie, über alle Verwicklungen erhaben, den Sumpf des elisabethanischen Erbfolgestreits, den Heinrich VIII. seinem Königreich hinterlassen hat.
Welchen Geist die Regisseurin Barbara Frey in diesem Staate ortet, unterstreicht der erste Auftritt: Es ist der Quälgeist der Spitzelei. Ritter Paulet (Klaus Brömmelmeier) schleicht herbei, eine Schatulle in den Klauen. In seinem Kerker schmachtet Maria Stuart. Soeben kramt er in ihren Geheimnissen, durchaus genüsslich und immer im Dienste seiner Majestät, jener Elisabeth I., die um ihren Thron fürchtet, solange die Stuart darauf schielt. Bekanntlich ist die Schottin mit dem kontinentalen katholischen Hochadel im Bunde. Darüber hinaus verfügt sie über einen dynastisch einwandfreien Stammbaum – im Gegensatz zu Elisabeth, Spross der unheiligen zweiten Ehe von King Henry und Anna ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das deutsche Theater und der deutsche Film haben nicht viel gemeinsam. Während das eine, bei allem, was man an ihm kritisieren mag, einen guten Ruf genießt, weltweit gesehen aus einem recht einzigartigen ökonomischen Reichtum schöpft, der immer wieder auch künstlerisch herausragende Formen hervorbringt, erscheint der andere, bei allem, was an ihm zu loben ist, aus...
Wer noch einmal eine bizarre Industriebrache in den Dimensionen des Ruhrgebiets oder Mittelenglands erleben möchte, der sollte sich ins zentralpolnische Lodz begeben. Über hundert Jahre qualmten hier die Schlote über gigantischen Textilfabriken, bis mit dem Zusammenbruch des Ostblockmarkts 1990 praktisch über Nacht Schluss war. «The freedom to go bankrupt» bewirbt...
Das wichtigste Requisit des folgenden Textes ist die Mobility Bahncard 100. Die kleine schwarze Karte ist der Rolls Royce unter den Bahncards; nichts für Pendler oder Vielfahrer, eher für Süchtige und Nomaden. Mit ihr kann man, so die Bahn, «einfach einsteigen und losfahren». Zug-Junkies zahlen schlappe 3.650 Euro im Jahr (oder 335 im monatlichen Abo), um permanent...
