wien: superamas «theatre»
Das neue Superamas-Stück dürfte für belgische Zuschauer ein Schocker sein. Immerhin spielt es einen Bürgerkrieg in ihrem Land durch, wobei sich König Albert II. als Schurke und Muammar al-Gaddafi als Retter der Nation entpuppt. «Theatre» ist ein brutales Gedankenexperiment (verkleidet als ausgelassene Bühnenshow), das vorführt, wie unsere Vorstellungen durch unsere eigene Weltsicht bestimmt werden. Was impliziert, dass unsere Perspektive, unser Blick auf die Welt, zutiefst theatralisch ist.
Denn worum geht’s im Theater, wenn nicht um Blickwinkel?
Entsprechend ungewöhnlich beginnt das Stück: Karen Lambæk, Lieve De Pourcq und Bahar Temiz treten zunächst als Bauchtänzerinnen auf. Sie beschwören das Bild Salomes, jener Frau, die sich mit ihrem Schleier-tanz das Haupt Johannes’ des Täufers «verdient» – ein Lieblingsmotiv der Kunstgeschichte. Der italienische Renaissance-Maler Filippo Lippi hat es im Dom von Prato für ein monumentales Fresko verwendet. Über eben dieses Kunstwerk diskutiert eine Gruppe von Gelehrten auf der Bühne. Genauer: Die Darsteller bewegen ihre Lippen zu den eingespielten Ausführungen des Kunsthistorikers Jeffrey Ruda. Dieser erklärt die Bedeutung der ...
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Tanz Januar 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Pieter T’Jonck
brug schaut dvd_________
dornröschen
Schon beim Studium des Besetzungszettels für das neue, goldstrotzende «Dornröschen», das kurz nach der Eröffnung des renovierten, sehr goldstrotzenden Bolschoi-Theater Premiere hatte und weltweit in die Kinos übertragen wurde, fällt auf: Neben dem Bolschoi-Star Svetlana Zakharova als Aurora steht da als Prinz – David Hallberg,...
«Unsere Bibel», sagt Sergei Danilian, lässt sein gewohnt breites Lächeln aufblitzen und deutet auf André Tubeufs imposanten Bildband über die Ballets Russes – jene legendäre Kompanie, die den Westen im frühen 20. Jahrhundert in ihren Bann schlug und eine ebenso legendäre Fülle an Tänzern, Kollaborationen und Skandalen hervorbrachte: Waslaw Nijinski, «Parade», die...
Bei ihm reicht die Eleganz bis in die Spitzen seiner unglaublich langen Finger. Mit ihnen musste sich Josh Johnson zunächst vortasten in die unendlich kombinierbaren Knick- und-Drehmomente aller Glieder und die vertrackten «tasks» des Choreografen William Forsythe. Der Tänzer der Forsythe Company stammt aus dem kalifornischen Mission Hills. «1987» steht tätowiert...
