verklärte nacht

Lust am Schatten: Der Westschweizer Choreograf Philippe Saire wagt die Begegnung mit einer überbordenden Musik – und gewinnt die Sinnlichkeit des Halbdunkels für den Tanz zurück

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Wahrscheinlich kennen wir alle dieses Gefühl der Unruhe, wenn etwas Unausgesprochenes in uns arbeitet. Wenn die innere Ruhelosigkeit zur Fortbewegung wird. Wann und wo also könnte ein Geheimnis besser gelüftet werden, als bei einem Spaziergang mit dem vertrauten Menschen? Nicht stillsitzend am Küchentisch oder irgendwo in der Öffentlichkeit den Blicken anderer ausgesetzt. Sondern im Halbdunkel unter freiem Himmel.

Genau so bereitet Richard Dehmels Gedicht «Verklärte Nacht» einem Paar den Weg: Eine Frau und ein Mann gehen bei Mondschein durch einen lichten Wald, sie gesteht ihm, von einem anderen schwanger zu sein, woraufhin er ihr wider Erwarten seine Treue versichert – und dass er das Kind als Vater annehmen wird.

Arnold Schönberg vertonte die Verse 1899 für Streichsextett. Philippe Saire, Leiter und Namensgeber der in Lausanne beheimateten Kompanie, begegnete der Komposition über eine Empfehlung. Eric Vigié, Direktor der Opéra de Lausanne, und Pierre Amoyal,
Geiger und künstlerischer Leiter der ebenfalls hier ansässigen Camerata, brachten ihn auf das Werk. Der Choreograf zweifelte zuerst, ob die emotionsgeladene Musik dem Tanz genug Raum würde lassen können. Deshalb näherte er ...

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Tanz Januar 2013
Rubrik: produktionen, Seite 16
von Franziska Buhre

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