wiesbaden: stephan thoss «made in love»

«Made in Love» steht auf dem Etikett des jüngsten Dreier-Abends am Hessischen Staatstheater. Wäre dieser ein Pullover, sähe sein Rumpfteil dank vertracktem Muster super aus, ein Ärmel erschiene kurz und gut, der andere dagegen halblang und verzogen. Diesen fehlerhaften Abschnitt hat Giuseppe Spota geliefert, Tänzer im Ensemble, der inzwischen auch als Choreograf aktiv ist, sogar wettbewerbspreisgekrönt. In «Abi/Tiamo» aber verliert er sich im selbst entworfenen Bühnenbild.

Die Menschen behindern sich mit Wänden, meint er laut Programmheft, also stellt er Wände hin: gebogen, verschiebbar, mal mit Durchgang, mal ohne. Wird es umgerannt, mutiert so ein Ding zum Brücklein, das unter den Tänzerschritten unfreiwillig scheppert. Mann und Frau, Frank Fannar Pedersen und Ayumi Sagawa, haben manchmal ein eiliges Duett. Sie geht dabei zu Boden. Die Hast treibt sie auseinander, zumal da häufig auch noch sechs Ablenker herumquirlen mit gespenstisch geweißten Gesichtern. Sie gehören vielleicht zu der hinten auf einem weißen Riesenrock thronenden Frau. Die Mutterkomplexfee, umsäuselt von Phil-Glass-Streichern.

Ballettdirektor Stephan Thoss beglückt vorneweg mit zwei neuen Stücken, für die er ...

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Tanz Januar 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Melanie Suchy

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