václav kunesˇ
Er ist ohne Zweifel geprägt von seiner Zeit als Tänzer des Nederlands Dans Theater 1 und als Assistent Jirˇí Kyliáns. Aber auch aus seiner Zeit bei Saburo Teshigawara finden sich Spuren in seinen raffinierten Pas de deux mit seiner Partnerin Nataša Novotná. Die strotzen nur so vor Leichtigkeit, psychologischer Wahrheit und der Freiheit, mit sich selbst, dem eigenen tänzerischen Vokabular, der dargestellten Beziehung ironisch und spielerisch umzugehen, in traumwandlerischer Sicherheit, so natürlich wie ein Atemzug oder ein Herzschlag.
Immer wieder schaffen sie es, eine Illusion von Schwerelosigkeit zu vermitteln. In immer neuen, unvorhersehbaren Wendungen verleihen sie ihrer Beziehung eine Authentizität, die sie jenseits aller Fragen nach choreografischen Kategorien katapultiert. Dies ist wohl die lebendigste Synthese aus klassischer Technik und zeitgenössischem Denken, die überhaupt zu erzielen ist. Da können sie auf Verfremdungseffekte setzen, die ihre Figuren nur umso authentischer erlebbar machen und die so auch nie zur Illustration oder zur Mime greifen müssen, um vor dem Auge des Zuschauers konkrete Situationen zum Leben zu erwecken. Tiefste Recherche erscheint wie purer ...
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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 146
von Thomas Kuhn
Von Rudolf dem Großen (alias Nurejew) geht die Sage, er habe rücklings seine Pomuskeln spielen lassen, sobald der Publikumsblick etwas zu lang auf der jeweiligen Ballerina verweilte. Der erotische Mehrwert des Hinternspektakels soll dem Vernehmen nach jede noch so verführerische weibliche Rundung in den Schatten gestellt haben. Nicht von ungefähr kommt einem genau...
Das Gewohnte weiter bewohnen. Bühnenluft bis zur Rente einatmen. Wär’s das? Etwa als Ballettmeister, Kompaniemanager, Dramaturg oder Choreologe?
Eines Tages ist Demis Volpi aufgewacht und sagte einfach: «Ballett». Drei war der Junge damals; seine Eltern können sich bis heute das Schlüsselwort ihres Sprößlings nicht erklären. Sein Wunsch war ihnen zwar nicht Befehl, aber sie legten ihm auch keine allzu großen Steine in den Weg: Mit vier erhielt der Beau aus Buenos Aires seinen ersten Tanzunterricht. Zwei...
