trier: sven grützmacher «das narrenschiff»

Wer macht sich schon gern zum Narren? René Klötzer spielt zwar einen, aber von «Liebe», «Geborgenheit», «Salafisten» oder «Analverkehr» handelt das Stück noch lange nicht, wiewohl diese sich als Stichworte auf einem Flipchart an der Bühnenrampe wiederfinden. Sie werden von ihm ebenso schnell überblättert wie vergessen.

Erst ein Thema wie «Träumer» lässt den androgynen Spielmacher innehalten, und Christin Braband verkörpert denn auch in der Folge ein Prachtexemplar jener Spezies, ohne die «Das Narrenschiff» à la Sebastian Brant (oder das «Traumschiff» des ZDF) nicht repräsentativ besetzt wäre.

Von beidem ist im Theater Trier zwar nichts zu sehen. Doch dafür hat der junge Mann mit der altersweisen Stirnglatze noch vor dem eigentlichen Beginn eine barbusige Dame im Schlepptau, die sich wenig später auf der Bühne mehr oder minder offensichtlich als Psyche entpuppt. Im Untertitel nennt Sven Grützmacher seine Szenenfolge «Ein Spiel im inneren Universum» – und als «Treibgut der Seele» schweben denn auch die Haltlosen, die Gehaltenen, die Fassungslosen und die sich Haltenden, wie es im Libretto etwas euphorisch heißt, «wie Urelemente durch den Raum».

Den hat Bodo Korsig ausgestattet, ein ...

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Tanz Januar 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Hartmut Regitz

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