the goldlandbergs
«Ich werde übrigens nicht zum Christentum übertreten.» Emanuel Gat schickt das lächelnd voraus, sobald die Rede auf die religiöse Symbolik in seinem Zyklus «UpcloseUp» zu kommen droht. «Ich bin das jetzt schon zwanzigmal gefragt worden.» Da beugt er lieber vor. Allerdings kennt der Israeli Europa längst gut genug, um zu wissen, dass jeder künstlerische Bezug auf biblische und kirchliche Motive zu Interpretationen reizt. Das gilt erst recht in Frankreich, wo Gat seit fast zehn Jahren ansässig ist.
Im Zentrum des multidisziplinären Projekts «UpcloseUp», das er als artiste associé für «Montpellier Danse» mit Unterstützung der Kulturstiftung von BNP Paribas ersann, steht die Choreografie «The Goldlandbergs». Sie wird von seiner eigenen Kompanie Emanuel Gat Dance getanzt und spielt im Titel wie auf der Bühne mit Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen. Natürlich nimmt Gat dafür die allein selig machende Interpretation von Glenn Gould, die er mit Auszügen aus dessen seinerzeit visionärer Radioproduktion «The Quiet in the Land» (1977) kreuzt – einer kontrapunktisch aufgebauten, von Bachs Kompositionstechnik inspirierten Collage aus Kirchenchor, Janis-Joplin-Bruchstücken («Oh Lord ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2013
Rubrik: produktionen, Seite 14
von Thomas Hahn
Macht es einer, machen es alle anderen auch. Wenn einer einen coolen Move entdeckt, probiert ihn die ganze Gruppe. Hip-Hop ist – wie alle Szenen – eine Kultur des Kopierens und Klauens, während er doch gleichzeitig den Anspruch erhebt, authentisch und «real» zu sein. Bruno Beltrão, Choreograf aus Brasilien, der bevorzugt die Gepflogenheiten seiner eigenen Szene...
Takt ist eine lebendige Struktur, er pulsiert regelmäßig, so wie die Herzschläge, aber eben nicht völlig gleichförmig. Genauso wenig wie der Rhythmus, der den Takt erst interessant macht, weil er von ihm abweicht. Über den legt sich wiederum die Melodie, großbögig ausgeformt oder kleinteilig, nur als Motiv oder Tonfolgenpartikel erkennbar. Auch sie geht mit den...
Richard Wagner war sicherlich der ausgebuffteste Verführer in Sachen Ekstase. Ethnische und urbane Tanzmusikkulturen können es allerdings diesbezüglich durchaus mit ihm aufnehmen. Lässt sich dieses ausdifferenzierte und praxiserprobte Wissen um die Entrückung nicht in eine Neuinterpretation von Wagners Werk einbeziehen? Die folgenden Gedanken sind als utopische...
