beat der knochen
Ausgerechnet der Tod, ausgerechnet die Sterbenden tanzen in den Totentanz genannten Darstellungen, wie sie seit dem Mittelalter verbreitet waren. Sie tanzen gemeinsam und nicht selten wild, in ihren letzten Momenten wie außer Rand und Band. Die Knochen der Totengerippe biegen sich bisweilen wie Gummi; lässig federn die muskel- und fleischlosen Gesellen in den Knien und schlenkern mit den Armen. Sie tanzen gern mal Ringelreihen, tanzen gern zu Musik, wie man auf den Bildern sieht. Live-Musik würde man – ironischerweise – heute dazu sagen.
Aber ist nicht das Sterben – sofern es sich nicht um einen überraschenden, lidschlagschnellen, etwa unfallverursachten Tod handelt –, oft ein schrittweiser Verlust der Bewegungsfähigkeit, des Radius’ eines Körpers? Vom weiten Gehen übers kurze Gehen zum Nur-noch-Sitzen und endlich zur Bettlägerigkeit. Von den Bewegungen des sich weitenden und verengenden Brustkorbs zum vielleicht finalen Bewegtwerden am Beatmungsgerät, zur völligen Bewegungslosigkeit schließlich. Wenn man davon absieht, dass sich die Gäste in unserem Körper, die Mikroorganismen, auch nach unserem Tod noch in uns bewegen können.
Kein Gegensatz, sondern ein intimes Gespann: Tanz und ...
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Tanz August/September 2013
Rubrik: traditionen, Seite 66
von Sylvia Staude
Richard Wagner war sicherlich der ausgebuffteste Verführer in Sachen Ekstase. Ethnische und urbane Tanzmusikkulturen können es allerdings diesbezüglich durchaus mit ihm aufnehmen. Lässt sich dieses ausdifferenzierte und praxiserprobte Wissen um die Entrückung nicht in eine Neuinterpretation von Wagners Werk einbeziehen? Die folgenden Gedanken sind als utopische...
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«Ich werde übrigens nicht zum Christentum übertreten.» Emanuel Gat schickt das lächelnd voraus, sobald die Rede auf die religiöse Symbolik in seinem Zyklus «UpcloseUp» zu kommen droht. «Ich bin das jetzt schon zwanzigmal gefragt worden.» Da beugt er lieber vor. Allerdings kennt der Israeli Europa längst gut genug, um zu wissen, dass jeder künstlerische Bezug auf...
