tanz ex cathedra

Die Tanzwissenschaft ist nicht länger die objektive Beobachterin des Tanzes. Sie bringt ihn erst hervor

Gabriele Brandstetter ist nicht etwa die Königin der Tanzwissenschaft, sie ist ihre Kanzlerin. Sie sucht den Kontakt zum Volk und spricht nicht vom akademischen Thron herab. Mit dem Berliner Staatsballett hat die Professorin für Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin soeben die volkshochschulähnliche «Ballettuniversität» gegründet – eine Art Dauer-Ringvorlesung, die beispielsweise am 16. Januar die «Bewegungslinien des (Nicht)-Floralen bei Mats Ek» publikumswirksam beleuchten soll.

Im Berliner Salon der Wissenschaften.

Hier stattet Gabriele Brandstetter dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft einen Besuch ab. Ihr Adlatus ist der Choreograf Sebastian Matthias. Professorin und Tanzkünstler treffen in einer preußischen Villa auf jenen erlauchten Kreis, der den Löwenanteil deutscher Forschungsgelder verteilt. Gabriele Brandstetter, Leibniz-Preisträgerin von 2004, doziert hier nicht, sie malt das historische Fortschreiten des Tanzes aus. Sie tupft mit sparsamen Worten, folgt dem Tanz von seiner einstigen Grazie hinauf zum Ideal der Schwerelosigkeit, von der imperialen Kunst zum bürgerlichen Traum, «nach oben zu fallen», in den Weltraum, jedenfalls in ein ...

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Tanz Januar 2013
Rubrik: ideen, Seite 62
von Arnd Wesemann

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