Tanz der Selfies
Prolog
Einmal dem haarrissigen alten Firnis nahe sein, einmal die marmorne Kühle, die Aura des Originals spüren. Nachts, wenn alles schläft, niemand wacht. Wenn der Traum die Herrschaft übernimmt, die Wirklichkeit erlischt … «In the day nothing matters, it’s the night time that flatters», besang Laura Branigan in den 1980er-Jahren in «Self Control» die Fetischisierung der Nacht.
Nachts im Museum zu sein. Ganz allein. Zu erkunden, wie sich die andächtige Leere der bei Tageslicht übervollen Ausstellungshallen anfühlt.
Zu beobachten, ob und wie sich die toten Exponate womöglich in lebendige Kreaturen verwandeln – das ist ein ewiger Topos der Kunst. Im preisgekrönten Musikvideo «Apeshit» firmieren die Rapper und Produzenten Beyoncé Giselle Knowles Carter und Jay-Z (genannt The Carters) Seite an Seite mit ihren Tänzern als Zeugen und Deuter der Kunst. Sie werden selbst zu Kunst im berühmtesten Kunsttempel der Welt: dem Louvre in Paris. Niemand sonst da, außer ihnen – und natürlich Mona Lisa, Venus, Nike & Co. Im Mai 2018 wurde das Video in der Regie von Ricky Saiz gedreht, im Juni gelauncht, an dem Tag, an dem auch das neue Album der Carters – «Everything Is Love» erschien; 2018 beim ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Tanz der Selfies, Seite 104
von Nic Leonhardt
Einen Talisman oder ein konkretes Ritual vor dem Betreten der Bühne habe ich nicht. Aber ich besitze zwei Gegenstände, die mir im Alltag sehr viel bedeuten: einen schwarzen und einen weißen Stein. Ich trage sie mit mir herum, wohin ich auch gehe – außer beim Tanzen, versteht sich. Sie sollen gute Energien anziehen und schlechte Energien abwenden. Ich muss wohl...
Michiel Vandevelde hat etwas Unheimliches. Geniehaftes. Er schreibt, kuratiert, gründet Formate, choreografiert. Beim Produktionshaus fABULEUS im belgischen Leeuwen, das Kinder und Jugendliche mit professionellen Theatermachern zusammenbringt, erlebte er sein coming of age. Bei P.A.R.T.S. hat er studiert, in Magazinen und auf Festivals dekliniert er Diskurse. Bis...
Ich hatte bisher in meiner noch jungen Karriere weder einen Talisman noch besondere Rituale. Aber ein Vorstellungstag ist für mich, wie für viele Künstler, etwas Besonderes. Ich schaue in den Stunden vor einem Auftritt gerne einen guten Film an oder höre Musik, die mich inspiriert, die Emotionen freilegt und meine darstellerische Kraft stärkt.- Vermutlich ist das...
