Rituale: Eric Gauthier
Einen Talisman habe ich nicht – aber etwas viel Besseres: «the circle»! Seit es Gauthier Dance gibt, stelle ich mich vor jeder Aufführung mit meinen Tänzerinnen und Tänzern auf der Bühne im Kreis auf. Wir fassen uns um die Schultern, stecken die Köpfe zusammen, strecken ein Bein in die Mitte, bis wir uns treffen – und genießen gemeinsam diesen Moment der Ruhe. In der Hektik vor der Vorstellung ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Aber im «circle» kommen wir zusammen, fokussieren uns und spüren, wie die Energie weiterwandert.
Danach spreche ich immer ein paar motivierende Worte. Jeden Abend etwas anderes, passend zur Situation und der Stadt, in der wir auftreten. Oder ich wünsche Glück, wenn eine Rollenpremiere ansteht oder wenn jemand nach einer Verletzungspause zum ersten Mal wieder tanzt. Am Schluss nimmt jeder jeden kurz in den Arm. Dann sind wir bereit. Showtime!
Eric Gauthier leitet seine eigene Company Gauthier Dance unter dem Dach des Stuttgarter Theaterhauses
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 19
von
Anne Teresa De Keersmaeker, Sie haben unlängst in einem Vortrag am Pariser Collège de France Erstaunliches über ihr Verhältnis zur Musik preisgegeben. Sie sagten: «Die Musik war mein erster Partner, ja sogar mein erster Meister.» Ferner betonten Sie, dass Sie nicht nur in einen Dialog mit der Musik treten, «da es sich schließlich um eine Liebesgeschichte handelt»....
Ich hatte bisher in meiner noch jungen Karriere weder einen Talisman noch besondere Rituale. Aber ein Vorstellungstag ist für mich, wie für viele Künstler, etwas Besonderes. Ich schaue in den Stunden vor einem Auftritt gerne einen guten Film an oder höre Musik, die mich inspiriert, die Emotionen freilegt und meine darstellerische Kraft stärkt.- Vermutlich ist das...
Ich habe tatsächlich ein kleines Ritual vor Auftritten, die mir in kürzester Zeit viel Kraft und künstlerische Aussage abverlangen. Ich murmele dann kurz vor dem Auftritt den Vers: «An schaurigen Riffen zerschellt der purpurne Leib» – aus dem Gedicht «Klage» von Georg Trakl. Obwohl dieser Vers eher düster und verzweifelt klingt, kommt er mir wie ein Schlachtruf vor...
