Tangomanie

Er war ein Fremdling, ein von vielen misstrauisch beäugter Einwanderer. Doch der argentinische Tanz trotzte Verleumdung, Verzerrung, Verboten und eroberte so die Metropolen Europas

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Jordi Moragues Massanet hat sich davongemacht. Im April vergangenen Jahres vertauschte der Spanier das frohsinnige Köln mit dem derzeit eher trübsinnigen Athen. Wieso? Vielleicht weil er dort ideale Bedingungen für seine Profession findet: Wirtschaft vor dem k.o., Finanzen im freien Fall, Politik im Dauerkrisen-Modus, galoppierende Schwindsucht der Gehälter, zugleich Steuerabstinenz der Tankermagnaten, kurzum: eine so gebeutelte wie geteilte Gesellschaft im Umbruch. So sehen es die Jungbürger, denen Massanet in seiner Eigenschaft als Tango-Lehrer begegnet.

Kürzlich gab er dem britischen «Guar-dian» Auskunft über seine Schülerschaft: «Hier besitzen die Leute eine natürliche Sinnlichkeit, und genau darum geht es bei diesem Tanz.» Und genau darum hat er, als er vor ziemlich exakt einhundert Jahren die Metropolen Europas erreichte, eine Art Kulturkampf ausgelöst: Melancholisch verschmelzende Paare, aparte Verschlingungen, erotisches Timbre – all das schlug in der Alten Welt ein wie ein Teufelsblitz in allerjungfräulichste Erde. Zumindest schrien die Tugendwächter Zeter und Mordio ob der «Tango-Epidemie», die sich von Paris aus über den Kontinent verbreitete. So wie heute rund um Piräus ...

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Tanz Januar 2016
Rubrik: Traditionen, Seite 52
von Dorion Weickmann

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