Unerhörte Nähe
Sandeep Bhagwati ist ein polykultureller Komponist, Dirigent, Regisseur und Musikwissenschaftler. Für Tänzer hat er auf den ersten Blick nicht viel übrig. «Anstatt zu üben, bis man es kann, kopieren sie lieber», erklärte er kürzlich im Anschluss an einen Vortrag an der Berliner Humboldt-Universität. In der Tat lässt sich Bewegung grundsätzlich leichter imitieren, als dies mit Musik gelingt. Denn dazu muss man erst einmal ein Instrument beherrschen. Im Tanz aber ist dieses Instrument identisch mit dem Körper, den wir alle haben.
Deshalb sei es, meint Bhagwati, viel schwerer, sich ausgerechnet mit dem eigenen Körper von anderen zu unterscheiden. Wodurch auch: durch besondere Biegsamkeit, durch Spitzentanz oder akrobatisches Vermögen? Ist das Kunst?
Könnerschaft
In den Augen des Musikers ist Tanz keine Kunst, solange er kopierbar bleibt – es sei denn, er zeichnet sich durch Charisma, Intensität oder besonderen Mut aus. Mit diesem hohen Anspruch ist Bhagwati nicht der Einzige in der Gilde der Tonsetzer, der eher kritisch über Tänzer denkt. Dabei liegt Könnerschaft auch nicht unmittelbar auf einer Linie mit seiner eigenen ästhetischen Denk- und Kompositionsweise. Denn Sandeep Bhagwati, ...
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Tanz Januar 2016
Rubrik: Praxis, Seite 68
von Arnd Wesemann
«Der gemeinsame Nenner unserer Ausbildungen ist der Zeitgenössische Tanz – egal, ob wir für die Bühne oder die Vermittlung im tanzpädagogischen Bereich ausbilden», sagt Nikolaus Selimov, Leiter der Tanzabteilung an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK Wien), zur künstlerischen Ausrichtung seines Fachbereichs. «Das Wichtige ist die...
Monsieur Delouche, Sie haben die Filmkunst unter anderem bei Federico Fellini erlernt, waren aber gleichzeitig Ihr ganzes Leben lang ein großer Ballett-Fan. Was bedeutet Ihnen der Tanz, wie haben Sie ihn überhaupt entdeckt?
Sehr früh, während des Kriegs, im besetzten Paris. Ich war elf Jahre alt. Paris hatte zu der Zeit keine Straßenbeleuchtung. Im Dunkel der Nacht...
London: until the lions
Wer Vater wird, denkt zurück an die eigene Kindheit, spürt ihrem Wesen und dem Wesentlichen nach. Der Choreograf Akram Khan ist Vater geworden, und so beruft sich seine neue Produktion auf die Mythen, mit denen er aufwuchs, auf das indische Epos «Mahabharata». Und auf den Kathak, jenen Tanz, den er aus seiner bengalischen Heimat nach London...
