Unerhörte Nähe

Nur Meisterschaft sichert die Freiheit der Kunst. Sagt der Musiker Sandeep Bhagwati. Und setzt auf Interpreten, die er mit Hightech beglückt – in Gestalt eines Körperpartiturenanzugs

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Sandeep Bhagwati ist ein polykultureller Komponist, Dirigent, Regisseur und Musikwissenschaftler. Für Tänzer hat er auf den ersten Blick nicht viel übrig. «Anstatt zu üben, bis man es kann, kopieren sie lieber», erklärte er kürzlich im Anschluss an einen Vortrag an der Berliner Humboldt-Universität. In der Tat lässt sich Bewegung grundsätzlich leichter imitieren, als dies mit Musik gelingt. Denn dazu muss man erst einmal ein Instrument beherrschen. Im Tanz aber ist dieses Instrument identisch mit dem Körper, den wir alle haben.

Deshalb sei es, meint Bhagwati, viel schwerer, sich ausgerechnet mit dem eigenen Körper von anderen zu unterscheiden. Wodurch auch: durch besondere Biegsamkeit, durch Spitzentanz oder akrobatisches Vermögen? Ist das Kunst?

Könnerschaft
In den Augen des Musikers ist Tanz keine Kunst, solange er kopierbar bleibt – es sei denn, er zeichnet sich durch Charisma, Intensität oder besonderen Mut aus. Mit diesem hohen Anspruch ist Bhagwati nicht der Einzige in der Gilde der Tonsetzer, der eher kritisch über Tänzer denkt. Dabei liegt Könnerschaft auch nicht unmittelbar auf einer Linie mit seiner eigenen ästhetischen Denk- und Kompositionsweise. Denn Sandeep Bhagwati, ...

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Tanz Januar 2016
Rubrik: Praxis, Seite 68
von Arnd Wesemann

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